Politik

Eine Terrormiliz und ihr Name Warum wir den "IS" nicht mehr "Isis" nennen

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Die Dschihadisten des Islamischen Staates sind auch dank ihrer medienwirksamen Inszenierungen weltbekannt geworden. Nur bei ihren wechselnden Namen herrscht noch etwas Verwirrung.

(Foto: REUTERS)

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" will den Nahen Osten erobern und Medien in aller Welt versuchen das Phänomen zu benennen. Doch kaum hatte man sich an den Namen "Isis" gewöhnt, wurde daraus "IS". Und wer zur Hölle sind "Isig" und "Da'ish"?

Über Jahre war Al-Kaida "die" islamistische Terrororganisation, jeder kannte sie. Anfang dieses Jahres tauchte dann in den Medien, auch bei n-tv.de, eine neue Gruppe auf, die sich bald ebenso in die Köpfe einbrennen sollte: der "Islamische Staat im Irak und in Syrien", abgekürzt durch das Akronym "Isis". Doch schnell herrschte Verwirrung beim Leser, denn manche Medien und Nachrichtenagenturen nannten die Gruppe "Isil", wobei das "l" für Levante stand, also die Region im Nahen Osten, zu der Syrien, der Libanon, Jordanien und Palästina gehören. Die beiden Akronyme hielten sich über Monate parallel, ohne dass sich eines ganz durchsetzte.

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Eine Version der schwarzen Flagge des IS. Unten steht "Islamischer Kalifatsstaat", oben das Glaubensbekenntnis.

Doch es wurde noch komplizierter. Denn Levante ist auch nur eine Behelfsübersetzung aus dem arabischen Orginal. Die Islamisten nannten sich selbst nämlich ad-daula al-islamiyya fi-l-iraq wa asch-scham. Scham wird in der arabischen Umgangssprache aber für Syrien, dort selbst für die Hauptstadt Damaskus (amtlich: Dimaschq) verwendet. Scham ist der historische Name von Damaskus. Scham bedeutet aber auch "Großsyrien", weil es bis vor einigen Jahrzehnten als politischer Begriff des Panarabismus verwendet wurde, also der Idee von einem arabischen Staatenbund, ausgehend von Syrien.

Isis, Isil, Isig?

Manche nahmen es also genau und nannten die Gruppe "Islamischer Staat im Irak und Großsyrien", abgekürzt durch "Isig", was sich aber kaum durchsetzte. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ging einen Sonderweg und umschiffte gleichzeitig das Problem, durch die unpopuläre und verwirrende Abkürzung Isig nicht mehr suchmaschinenkompatibel zu sein. Die FAZ schrieb dann eine Weile lang "Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis)", was allerdings recht umständlich war.

All diesem Übersetzungswirrwarr zum Trotz: Scham, Großsyrien und Levante umschreiben letztlich ungefähr das gleiche Gebiet. Die Terrormiliz selbst beschloss unterdessen im Juni, nachdem sie einseitig ein Kalifat in Teilen der Staatsgebiete des Iraks und Syriens ausgerufen hatte, die einstige räumliche Selbstbeschränkung in ihrem Namen wegzulassen. Die Gruppe unterstrich mit dem neuen Namen "Islamischer Staat" ihren Anspruch, ein viel größeres Territorium einnehmen zu wollen, zunächst auf der Arabischen Halbinsel, nach Norden hin zum Kaukasus, nach Osten in Richtung Zentralasien und weiter nach Westen auf den Balkan und nach Nordafrika. Auf Arabisch heißt die Terrormiliz jetzt ad-daula al-islamiyya (Der Islamische Staat). Damit bot sich die Abkürzung "IS" an.

Da'esh klingt einfach böser als Isis

Manche Medien fanden es problematisch, diese Umbenennung einfach so "mitzumachen" und somit indirekt die Herrschaftsansprüche der Dschihadisten anzuerkennen. Unter anderem die "Bild"-Zeitung und andere Springer-Blätter, einige Regionalzeitungen sowie die meisten englischsprachigen Medien schreiben immer noch ISIS/ISIL. Das sorgt für eine Kontinuität der Begriffe und gute Trefferquoten bei den Suchmaschinen im Internet. Auch die Leser müssen sich nicht umgewöhnen, wohl auch deshalb sagen viele deutsche Politiker ebenfalls immer noch Isis.

Doch es gibt auch gute Gründe, den Islamischen Staat jetzt "IS" abzukürzen. Die Gruppe hat sich in ihrer Geschichte schon mehrfach umbenannt, was einherging mit Wechseln bei den Anführern und Strategieänderungen. Niemand würde den "IS" heute noch "Organisation der Basis des Dschihad im Zweistromland" nennen, wie sie vor zehn Jahren einmal hieß. Zudem bietet sich wegen der Assoziation mit dem wohlklingenden Namen der altägyptischen Göttin Isis der sperrigere Begriff "IS" an. Das bedeutet indes nicht, die Herrschaftsansprüche der Gotteskrieger anzuerkennen. Es sollte nicht als Aufwertung verstanden werden, eine äußerst gefährliche und brutale Gruppe bei dem Namen zu nennen, den sie sich selbst gibt und der ihren Plan begrifflich transportiert.

Im Arabischen existiert übrigens ebenfalls ein Akronym: Da'ish bzw. Da'esh hat sich dort auch nach der Umbenennung der Terrormiliz in "Islamischer Staat" gehalten, weil es leicht auszusprechen ist und als #daesh ein treffsicherer Twitter-Hashtag geworden ist. Zudem könnte hier Lautmalerei eine Rolle spielen: Da'esh, von einem Araber ausgesprochen, klingt einfach genauso böse und aggressiv, wie die Dschihadisten es sind. Das trifft auf das Wort "Isis" nicht gerade zu.

Quelle: n-tv.de

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