Politik

Nicht anwesend, aber immer dabei Was macht eigentlich Angela Merkel?

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Bei der Vereidigung der neuen Bundesregierung guckte Angela Merkel von der Besuchertribüne zu.

(Foto: picture alliance / Flashpic)

Das Interesse an Angela Merkel ist nach wie vor groß - das Interesse der Altkanzlerin an ihrer Partei dagegen eher gering. Allerdings lasse sie ihre Botschaften den eigenen Leuten noch immer zukommen, heißt es aus der Unionsfraktion.

Es ist still geworden um Angela Merkel. Bald zwei Monate ist es her, dass sie Olaf Scholz im Kanzleramt willkommen hieß, in die Limousine stieg und Richtung Ruhestand aufbrach. Seither kursierten Fotos der Altkanzlerin beim Einkaufen und Schlagzeilen von einem Jobangebot als Beraterin der Vereinten Nationen, das sie ausschlug. Am vergangenen Wochenende überschattete ihre Abwesenheit den digitalen Parteitag der CDU, deren Vorsitzende sie immerhin 18 Jahre war. Ihr Nach-Nachfolger Armin Laschet teilte zudem bei ntv mit, Merkel werde nicht zur Ehrenvorsitzenden der CDU gewählt. "Wir haben keinen Ehrenvorsitzenden. Das ist eine Tradition von früher, die es jetzt auf der Bundesebene nicht gibt."

Das ist die offizielle Version. Aus Parteikreisen heißt es hingegen, die Entscheidung habe weniger mit Tradition zu tun, als mit der Tatsache, dass Merkel mit einem "mittelmäßigen Ergebnis" hätte rechnen müssen. Das habe sie sich selbst und der Partei ersparen wollen. Ein gemeinsames Abendessen mit dem neuen Parteichef Friedrich Merz sagte Merkel ebenfalls ab.

Während Merkel auf Tauchstation ist, kommen ihre Signale und Botschaften in der Partei immer noch an. Sie wird dabei gesehen, wie sie ihr neues Büro einrichtet - dasselbe, das schon Helmut Kohl als Altkanzler nutzte und in dem bereits Margot Honecker gesessen hatte. Das Büro liegt in einem Gebäude, in dem auch Bundestagsabgeordnete untergebracht sind. Die Altkanzlerin komme regelmäßig, richtet ihre Räume ein und wirke durchaus beschäftigt, sagt ein CDU-Politiker, der Merkel auf dem Flur begegnet ist. "So ganz von heute auf morgen aufhören und ausschlafen, das geht wohl doch nicht." Er habe die Altkanzlerin nicht mit Smalltalk belästigen wollen, grüße immer nur, wenn er sie dort sehe, berichtet der Abgeordnete. Es sei jedoch offensichtlich, dass mit dem Ende der Amtszeit der eigene Antrieb nicht automatisch ermüde.

Sie spricht von "euch in der Partei"

Ein anderes Mitglied der Unionsfraktion berichtet, Merkel habe beschlossen, für sechs Monate von der Bildfläche zu verschwinden und sich diese Zeit für sich zu nehmen. Die Wahl von Friedrich Merz zum neuen CDU-Vorsitzenden habe sie selbstverständlich wahrgenommen, aber im Gespräch angemerkt, dass es ja durchaus Zeit und mehrere Anläufe gebraucht habe - Merz hatte zuvor zwei Mal vergeblich versucht, Parteichef zu werden. Diese Spitze konnte oder wollte Merkel sich wohl trotz der Distanz nicht verkneifen. Denn eine gewisse Distanz scheint es zu geben: Wenn sie mit ehemaligen Fraktionskollegen spricht, spricht sie, so heißt es, von "euch in der Partei".

Ob Merkel wirklich ganze sechs Monate nicht öffentlich in Erscheinung treten wird, bleibt ungewiss, denn schon am 13. Februar steht die Wahl des Bundespräsidenten an. Gewählt wird das Staatsoberhaupt bekanntlich von der Bundesversammlung, einem Gremium, das aus allen Bundestagsabgeordneten besteht sowie einer ebenso großen Zahl von Mitgliedern, die von den Landtagen entsandt werden. Angela Merkel wurde von ihrem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern als Delegierte aufgestellt. Während die Landes-CDU nicht damit rechnet, dass die Altkanzlerin sich beim Landesparteitag sehen lässt, rechnet man für die Bundespräsidentenwahl fest mit ihr.

Natürlich hätte man Angela Merkel bei dem ersten Parteitag nach ihrer Amtszeit gerne als Gast in ihrem Heimatverband gesehen, heißt es aus der CDU Mecklenburg-Vorpommern. "Gerhard Schröder hätte es gemacht, der wäre auch zu seiner SPD zum Bundesparteitag gegangen, wobei es fraglich ist, ob die ihn gewollt hätten", vergleicht ein Parteimitglied.

Am 13. Februar dürfte sie in der Bundesversammlung die Delegierte sein, die die größte Aufmerksamkeit erhalte, so der Politiker weiter - wenn sie denn kommt. Dass ihre Stimme in diesem Fall an Frank-Walter Steinmeier gehen würde, steht indessen fest. Sie habe ihrer Partei mitgeteilt, dass sie den Amtsinhaber unterstütze - auch wenn die Union einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken sollte. Da ist sie wieder, die Distanz zwischen Merkel und ihrer Partei.

Quelle: ntv.de

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