Politik

Kommentare für die Welt Wie Russland Meinung macht

Der Verdacht ist nicht neu: Kommentare in sozialen Netzwerken und auf Nachrichtenseiten könnten gezielt von Russland aus gesendet werden, um Stimmung im Ukraine-Konflikt zu machen. Da scheint etwas dran zu sein.

tod.PNG

Einfache Botschaft: US-Demokratie = Tod.

(Foto: Youtube)

Eine Firma in St. Petersburg macht gezielt im Internet Stimmung gegen die USA und gegen die angebliche moralische Verkommenheit des Westens insgesamt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Dokumente und E-Mails im Umfang von mehr als 138 Megabytes, die sie von anonymen Hackern zur Verfügung gestellt bekommen hat.

Dass aus Russland ein regelrechter Propagandakrieg gegen die Ukraine und gegen den Westen geführt wird, ist nicht neu - erst vor wenigen Tagen hatte der "Guardian" den Verdacht geäußert, hinter zahlreichen Kommentaren auf seiner Seite könnte eine "orchestrierte Kampagne" stecken. Neu sind die Details, die die SZ präsentiert. Die Petersburger Firma nennt sich "Agentur zur Analyse des Internets". Die bis zu 600 Mitarbeiter des Unternehmens sind in sozialen Netzwerken unterwegs, posten Videos auf Youtube und Kommentare auf Nachrichtenportalen.

In Strategiepapieren hat die Agentur laut SZ die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter, LinkedIn und Youtube analysiert und Regeln zusammengestellt, mit deren Hilfe Kommentare auf Nachrichtenportalen wie der "Huffington Post" Chancen auf gute Platzierungen haben.

Hinter der Agentur steckt dem Bericht zufolge der Petersburger Unternehmer Jewgenij Prigoschin, der als "Putins Koch" bekannt ist, weil er mit staatlichen Großaufträgen ein Gastronomie-Imperium aufgebaut hat. Prigoschin war bereits früher an Propaganda-Aktionen gegen Kreml-Kritiker beteiligt. Aus der "Agentur zur Analyse des Internets" gehen laut SZ Tätigkeitsberichte an Wjatscheslaw Wolodin, den stellvertretenden Chef der russischen Präsidialverwaltung.

Die "Süddeutsche" nennt als Beispiel den Youtube Kanal "The American Dream". In diesem sei ein Video gepostet worden, in dem Eltern gewarnt würden, der Konsum von "Harry Potter"-Filmen werde ihre Söhne homosexuell machen. Dieser Film ist mittlerweile nicht mehr bei Youtube zu finden, wohl aber ein 26-sekündiges Video über ESC-Siegerin Conchita Wurst, dessen zentrale Botschaft eine Verknüpfung der Sängerin mit US-Präsident Barack Obama ist.

Der größte Klick-Erfolg von "The American Dream" ist allerdings der Film "US Democracy-Building in Ukraine". Darin wird behauptet, die USA hätten fünf Milliarden Dollar ausgegeben, um in Kiew eine "Nazi-Regierung" ins Amt zu hieven. "Amerika unterstützt Morde, Genozid und Faschismus", heißt es vor immer blutigeren Bildern. Um am Ende die Gleichung zu präsentieren: "US-Demokratie = Tod".

Quelle: n-tv.de, hvo

Mehr zum Thema