Politik
(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 04. September 2013

Spektakuläre Flucht nach 111 Tagen: Wie ein Deutscher den Dschihadisten entkam

Von Christian Rothenberg

Grünhelme helfen in Krisengebieten, so wie Ziad Nouri. Im Mai soll der 72-jährige Ingenieur in Syrien ein Krankenhaus aufbauen. Doch dann wird er plötzlich entführt. Über drei Monate ist der Deutsche in der Gewalt der Geiselnehmer. Bis seine Bewacher einen Moment unaufmerksam sind.

Als Ziad Nouri in den frühen Morgenstunden Darkush erreicht, ist er in Sicherheit. In der syrischen Kleinstadt, nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt, greifen Rebellen ihn auf. Sie versorgen den 72-Jährigen und bringen ihn in die Türkei. Hinter dem deutschen Ingenieur, der 111 Tagen zuvor von Dschihadisten entführt worden war, liegt eine spektakuläre Flucht.

Nouris Leiden beginnen im Mai. Zusammen mit zwei deutschen Kollegen schickt ihn die deutsche Hilfsorganisation Grünhelme nach Harem, in die nordwestliche Region Idlib. In einem abgebrannten Gebäude der syrischen Baath-Partei sollen die drei den Bau eines Krankenhauses leiten. Doch daraus wird nichts. Dschihadisten entführen die Grünhelme am 15. Mai nachts aus ihrem Haus.

Zwei der drei Deutschen gelingt Anfang Juli die Flucht. Einer bleibt zurück: Nouri. Während seine beiden Kollegen, ein Industriemechaniker und ein Bautechniker, unversehrt in Deutschland eintreffen, wird er in ein Lager in den Bergen gebracht. Seine Entführer stellen nun selbstbewusste Forderungen: Sie wollen 25 Millionen Euro für seine Freilassung.

Die Verhandlungen ziehen sich über den ganzen Sommer hin. Bis zu der Nacht auf den 3. September, als Nouri sich selbst aus seiner Geiselhaft befreit. Er ist inzwischen dreieinhalb Monate in der Hand der Islamisten, da nutzt er die Achtlosigkeit seiner Bewacher. Die schlafen beziehungsweise befinden sich beim Gebet in der Moschee, als der Deutsche eine Aluminiumtür aufbricht und flieht. Mehrere Stunden läuft Nouri, bis er schließlich Darkush erreicht.

Die türkisch-syrische Grenzregion liegt großteils im Machtbereich der Rebellen. Sie bringen ihn in die Türkei. Hier greift der gebürtige Syrer zum Hörer und wählt eine Münchner Telefonnummer, es ist die seiner Tochter. "Mir geht es gut, Gott sei Dank", sagt er.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen