Politik

Ein "normales Bankgeschäft" Wie kam es zu dem Greenpeace-GAU?

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Die Deutschland-Filiale von Greenpeace in Hamburgs Hafencity. Wie viel deutsches Spendengeld verzockt wurde, ist unbekannt.

(Foto: dpa)

Das Kapital von Greenpeace heißt Glaubwürdigkeit: Da verträgt es sich schlecht, wenn 3,8 Millionen Euro bei Finanzgeschäften verloren gehen. Die Umweltorganisation stellt die Panne als Versagen eines Einzelnen dar.

Am 25. November 2013 veröffentlichte Greenpeace eine Mitteilung mit dem Titel "Greenpeace von Stiftung Warentest zum Spenden empfohlen". Von insgesamt 46 untersuchten Tier-, Natur-, und Umweltschutzorganisation gehöre man zu den sechs, die wirtschaftlich, transparent und gut organisiert arbeiteten. Greenpeace sei so strukturiert, "dass Korruption und Verschwendung vermieden wird", hieß es. Die Organisation bietet sogar extra eine Broschüre an, wie man Greenpeace im Testament berücksichtigen kann. Ob das Urteil auch Bestand gehabt hätte, wenn die Tester damals schon von den völlig missratenen Finanzspekulationen in der Amsterdamer Mutterzentrale, bei Greenpeace International, gewusst hätten?

3,8 Millionen Euro gingen verloren bei Termingeschäften. Greenpeace spekulierte auf einen sinkenden Euro-Kurs, der Kurs stieg aber stark an. Der verantwortliche Mitarbeiter der Finanzabteilung wurde entlassen - aber irgendetwas scheint auch mit dem internen Kontrollsystem nicht zu stimmen, wenn ein Einzelner so einen Schaden verursachen kann. Greenpeace Deutschland verschickte zu dem Vorfall eine Mitteilung mit dem lapidaren Titel: "Defizit bei Greenpeace International."

Zerknirscht räumt der deutsche Kommunikationschef Michael Pauli auf Nachfrage ein, die Geschichte sei sehr unangenehm. Aber er wehrt sich auch gegen den Eindruck, hier gehe es um wildes Jonglieren mit Spendergeld. "Am Anfang steht eigentlich ein fürsorglicher Gedanke", sagt er. Um zum Beispiel Büros in Afrika zu unterstützen, erhalten sie von Greenpeace International Geld. Die Zentrale arbeitet mit Euros, die Landesbüros mit den nationalen Währungen. Also gibt es je nach Wechselkursschwankung Verluste oder Gewinne. So weit, so normal.

Spekulation sollte Sicherheit bringen

Um sich gegen starke Wechselkursschwankungen abzusichern, entschied man sich entgegen der bisherigen Praxis 2013, Währungen zu festen Kursen zu kaufen. Pauli versucht es mit einem einfachen Beispiel zu illustrieren. Ein Tourist will im Sommer in die USA reisen. Er deckt sich im März schon einmal mit reichlich Dollar ein. Dann fällt aber der Euro-Kurs, der Tourist hat die Dollar viel zu teuer eingekauft.

Bei Greenpeace passierte der umgekehrte Fall: Der Kauf ausländischer Währungen für die Nationalbüros war abgeschlossen, bevor der Kurs des Euro gegenüber den meisten Währungen stieg. "Der Eindruck einer wilden Zockerei ist einfach nicht richtig", betont Pauli. "In Anführungszeichen war es ein ganz normales Bankgeschäft." Man finanziere ausschließlich internationale Kampagnen und Kampagnenprojekte, wird betont, nicht aber die Infrastruktur für Büros in anderen Ländern.

Greenpeace gehen die Themen nicht aus

Ob und wieviel deutsches Spendengeld bei der Aktion verloren gegangen ist? Diese Antwort kann bei der Deutschland-Zentrale in Hamburg zunächst keiner geben. Das Budget von Greenpeace International beträgt in diesem Jahr 82 Millionen Euro, es dürfte nun genau geschaut werden, wie die Verluste kompensiert werden. Über eine halbe Million Menschen spendeten in Deutschland 2013 für den Schutz der Arktis vor Ölbohrungen und den Kampf gegen Atom- und Kohlekraft. Zuletzt besetzten Aktivisten die Parteizentrale der Linken, um gegen deren Kohlekurs in der rot-roten Regierung Brandenburgs zu protestieren: 800 Bürger sollen in der Lausitz wegen des Tagebaus Welzow-Süd II umgesiedelt werden.

Allerdings hat die Organisation wegen des bis 2022 geplanten kompletten Atomausstiegs in Deutschland das Thema mit dem größten Protestpotenzial verloren. Und den Neustart bei der Endlagersuche blockiert man, weil Gorleben im Rennen bleibt. Das stößt auf viel Kritik, weil Greenpeace so auf den Suchprozess nicht einwirken kann. Sehr engagiert ist man beim Ringen um einen globalen Klimavertrag. Der Leiter internationale Klimapolitik, Martin Kaiser, betont zum Abschluss einer Vorbereitungskonferenz in Bonn für den Klimagipfel im Dezember in Lima: "Über 60 Länder haben inzwischen ihren Willen erklärt, die Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas zu beenden." Doch diese auch auf Druck der Umweltschützer zäh, aber Stück für Stück erzielten Fortschritte, treten erstmal in den Hintergrund. Denn Greenpeace ist mit sich selbst beschäftigt.

Quelle: ntv.de, Georg Ismar, dpa

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