Politik

Linke will auch Unternehmer ansprechen "Wir brauchen keine neuen Themen"

Trotz der "Der FDP steht das Wasser bis zum Hals" gibt sich Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, zufrieden. Im Gespräch mit n-tv.de räumt er zugleich ein, dass seine Partei "bundespolitisch ein paar Probleme" gehabt habe. Sie müsse künftig einen breiteren Personenkreis ansprechen.

n-tv.de: Herr Gysi, Ihre Partei hat es wieder  in die Bremer Bürgerschaft geschafft, aber mehr als zwei Prozentpunkte verloren. Sind Sie trotzdem zufrieden?

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Die Spitzenkandidatin Linken, Kristina Vogt, lässt sich feiern. Dabei verlor die Partei rund 2,5 Prozentpunkte.

(Foto: dapd)

Gregor Gysi: Ja, das bringt eine Stabilität zum Ausdruck. Es bedeutet, dass die Bremerinnen und Bremer, die Bremerhavenerinnen und Bremerhavener entschieden haben, uns wieder in die Bürgerschaft zu schicken als soziales Korrektiv und wahrscheinlich auch darüber hinaus.

Was machen die Grünen richtig, um Stimmen hinzuzugewinnen, was macht die Linke falsch?

Die Grünen haben seit vielen Jahren das Thema ökologischer Umbau besetzt, das jetzt im Vordergrund der Aufmerksamkeit steht, auch wenn sie dabei inkonsequent sind. Dies bringt aber auch ein neues Lebensgefühl zum Ausdruck: Das Bürgertum hat sich für die Grünen und gegen die FDP entschieden. Das sieht man sowohl in Baden-Württemberg als auch in Bremen ganz deutlich. Die Linke hatte bundespolitisch ein paar Probleme, das ist ja bekannt. In Bremen gab es auch noch Konkurrenzen. Das hat nicht gerade beflügelnd gewirkt. Wir haben aber auch Landesverbände, die sehr gut gekämpft haben, zum Beispiel in Hamburg, in Sachsen-Anhalt und in Baden-Württemberg.

Es heißt immer wieder, die Linke brauche neue Themen. Ist es tatsächlich so oder geht es nur darum, die traditionellen Themen "Weg mit Hartz IV", "Weg mit der Rente mit 67", "Raus aus Afghanistan" und "bundesweiter Mindestlohn" nachhaltiger zu vermitteln?

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Gregor Gysi sieht das Wahlergebnis in Bremen als Zeichen der Stabilität.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wir brauchen keine neuen Themen. Wir sind breit aufgestellt. Nur haben wir den Fehler gemacht, uns auf bestimmte Themen reduzieren zu lassen, obwohl das so gar nicht stimmt. Wir sind doch nicht nur eine Partei für Hartz-IV-Empfängerinnen und  -Empfänger oder für Arbeitslose oder arme Rentnerinnen und Rentner. Wir sind auch eine Partei für Facharbeiter, für Meister, für kleine und mittlere Unternehmerinnen und Unternehmer, für Intellektuelle. Wir müssen einen breiteren Personenkreis ansprechen und dabei unserer Themen deutlich artikulieren. Ich sage Ihnen: Die soziale Frage, gerade auch im Zusammenhang mit dem notwendigen ökologischen Umbau, wird wieder Anziehungskraft gewinnen.

Mit Gregor Gysi sprach Manfred Bleskin

Quelle: n-tv.de

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