Politik

Was wird aus Erasmus+? Wissenschaftler hadern mit Brexit

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Das Eingangsgebäude St. Johns College in Cambrigde.

(Foto: imago/UIG)

Die Entscheidung gegen Europa hat für Großbritannien auch im Bereich der Wissenschaft empfindliche Auswirkungen. Streichung von Forschungsgeldern und Abwanderung von Spitzenkräften sind nur einige davon. Auch deutsche Studenten trifft es.

Der EU-Austritt Großbritanniens sorgt in der deutschen Wissenschaft für erhebliche Unruhe angesichts enger Verbindungen beider Länder in Forschung und Lehre. "Auch für die Hochschulen stellt der Brexit einen tiefen Einschnitt dar", sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler. "Die Konsequenzen treffen die britischen Hochschulen schwer - und mit ihnen den gesamten europäischen Hochschul- und Forschungsraum. Wir müssen uns auf eine schwierige Übergangszeit einstellen." Schließlich stünden "umfangreiche Verhandlungen über die Konditionen für die Einbeziehung des Vereinigten Königreichs in europäische Förder- und Austauschprogramme an", sagte Hippler.

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Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Horst Hippler.

(Foto: dpa)

Die Partnerschaften in der Forschung sowie der Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern seien "sehr lebendig", all dies habe "positive und nachhaltige Effekte für die Volkswirtschaften und das gegenseitige Verständnis". Die Politik müsse nun "trotz der anti-europäischen Entscheidung zu tragfähigen Vereinbarungen kommen, um den Schaden für den europäischen Hochschulraum so gering wie möglich zu halten", forderte der HRK-Chef. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) äußerte sich betroffen. Seine Präsidentin Margret Wintermantel sagte: "Das britische Votum gegen die Mitgliedschaft in der EU wird erhebliche Auswirkungen auf die Mobilität von Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben."

Was wird aus Erasmus+?

Großbritannien gehöre zu den attraktivsten Ländern für Studierende, besonders in Deutschland. "Betroffen ist unter anderem das EU-Mobilitätsprogramm Erasmus+. Hier müssen die Modalitäten für eine Beteiligung Großbritanniens neu verhandelt werden." Offen sei auch, wie es für die EU-Forschungsförderung für britische Wissenschaftler weitergeht, sagte Wintermantel.

Die SPD-Wissenschaftsexpertin Simone Raatz bedauerte: "Mit der Entscheidung werden erhebliche Einschnitte im Bereich der Bildungs- und Wissenschaftskooperation einhergehen. Betroffen ist der Studierendenaustausch im Rahmen von EU-Programmen wie Erasmus+ und die Regelungen zum Auslands-BAföG." Dies betreffe rund 16.000 deutsche Studenten, die an einer britischen Hochschule eingeschrieben sind. "Darüber hinaus werden der Wissenschaftleraustausch sowie viele Forschungsprogramme finanziell nicht mehr durch die EU getragen", sagte die Bundestagsabgeordnete.

Höhere Uni-Gebühren befürchtet

Der britische EU-Austritt könnte für die Universitäten im Vereinigten Königreich empfindliche wirtschaftliche Konsequenzen haben, hatte der Bildungsökonom Stefan Wolter von der Universität Bern schon vor der Brexit-Entscheidung gesagt. Viele der bei Gaststudenten und -forschern beliebten Hochschulen dürften die Gebühren für EU-Bürger massiv anheben. "Das ist ein sehr wahrscheinliches Szenario."

"Unis mit exzellentem Ruf wie Oxford oder Cambridge werden ohne Probleme zu höheren Gebühren übergehen können", sagte der Experte. "Anders dürfte es aber aussehen für mittel- oder unterklassige Unis: Bei ihnen war das Preis-Leistungs-Verhältnis für EU-Studenten bisher attraktiv. Ihnen bräche dann möglicherweise ein Teil der Kundschaft weg." Derzeit müssen EU-Ausländer an britischen Hochschulen in der Regel nicht die deutlich teureren "overseas fees" zahlen.

Auch die Forschung und - damit verbunden - der Arbeitsmarkt für Hochqualifizierte werde den Brexit zu spüren bekommen, warnte Wolter. "Wenn es zu einem Ausschluss von EU-Forschungsgeldern kommen sollte, könnte es größere Verschiebungen geben. Viele dieser Forscher sind höchst mobil, sie dürften sich dann schnell in Richtung anderer Länder orientieren." Fast ein Viertel der Studenten in Großbritannien kam 2014/2015 aus den übrigen EU-Staaten.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa