Politik

Metall-Tarifkonflikt Zwei Vorschläge auf dem Tisch

Die Tarifparteien in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie haben nach fast vier Wochen Streik einen neuen Anlauf genommen, den Konflikt um die 35-Stunden-Woche beizulegen. In der voraussichtlich entscheidenden Verhandlungsrunde am Freitag in Berlin präsentierten sowohl IG Metall als auch Arbeitgeber neue Vorschläge. "Wir haben ein komplexes Lösungsmodell vorgelegt", sagte IG Metall-Verhandlungsführer Hasso Düvel. Ebenso wie die Arbeitgeber wollte auch Düvel keine Einzelheiten nennen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerte die Hoffnung, dass der Konflikt am Wochenende beigelegt werden kann. Er sehe dafür wachsende Chancen, sagte der Kanzler nach einem Treffen mit der DGB- Spitze in Berlin.

Unterdessen setzte die größte deutsche Industriegewerkschaft ihren Arbeitskampf fort: Auch am Freitag waren wieder knapp 7.700 Beschäftigte im Streik. Im Osten arbeiten 310.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie. Die tarifliche Arbeitszeit liegt bislang bei 38 Stunden. Die IG Metall will einen Stufenplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche bis 2009 durchsetzen.

Die Arbeitgeber lehnen vor allem den Wunsch der IG Metall ab, ein Zieldatum für die Einführung der 35-Stunden-Woche festzulegen. Sie wollen dies allein von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Ost-Betriebe abhängig machen. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte: "Wir machen bei einem Gefeilsche um Jahreszahlen nicht mit. Woher sollen wir wissen, wie die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2010 sein wird?"

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Roland Fischer, hatte vor der Fortsetzung der seit Mitte Mai unterbrochenen Verhandlungen versichert, seine Seite werde "alles tun, was für einen Brückenschlag tauglich ist". IG-Metall-Verhandlungsführer Düvel unterstrich ebenfalls die Bereitschaft, den Konflikt zu lösen. "Ob das gelingt, ist offen." Am Vortag hatten die Spitzen von IG Metall und Arbeitgeberverband Gesamtmetall, Klaus Zwickel und Martin Kannegiesser, versucht, den Weg zu einer Einigung zu ebnen, dabei allerdings noch keine großen Fortschritte erzielt.

Bei Volkswagen hat der Arbeitskampf die Produktion von Golf und Lupo in Wolfsburg am Freitag lahm gelegt. Deshalb müssen mehrere tausend VW-Beschäftigte am Freitag und Montag Überstunden abbummeln. Für die Fertigung fehlen Teile aus den bestreikten Werken in Chemnitz und Zwickau. Auch im Braunschweiger VW-Werk ist es zu Beeinträchtigungen gekommen. Sollte es zu keiner Einigung zwischen der IG Metall und den Arbeitgebern kommen, wird VW für Dienstag Kurzarbeit beantragen, sagte VW-Sprecher Peter Schlelein.

BMW richtet sich dagegen darauf ein, die seit Montag unterbrochene Fertigung der 3er-Reihe in München und Regensburg am Dienstag wieder anzufahren. Ein kleinerer Teil der gut 10.000 betroffenen Beschäftigten könne schon am Montag für Vorbereitungen an den Arbeitsplatz zurückkehren, sagte eine BMW-Sprecherin in München. Voraussetzung sei allerdings, dass der Streik beim brandenburgischen Getriebe-Zulieferer ZF nicht wieder aufgenommen werde.

Quelle: ntv.de