Politik

Sicherheitslücken? Zweite Atom-Affäre im Süden

Nach dem kürzlich entdeckten Diebstahl von Plutonium aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe sorgt ein ähnlicher Fall in Bayern für Aufsehen. Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg gegen einen früheren Siemens-Mitarbeiter wegen unerlaubten Besitzes von radioaktivem Material ermittelt.

Der Nürnberger Fall liegt bereits 20 Jahre zurück. Das bayerische Umweltministerium kündigte als Konsequenz aus dem Fall eine Untersuchung der geltenden Sicherheitsvorkehrungen in Einrichtungen an, die mit radioaktiven Stoffen zu tun haben.

Nach seinem Eingreifen in den Karlsruher Fall forderte Bundesumweltminister Jürgen Trittin am Montag von Bayern Informationen über das Entwenden von neun Röhrchen mit uranhaltigem Material aus dem Siemens-Forschungslabor in Erlangen. Ein Sprecher des Bundesumweltministers sagte, von dem Diebstahl habe das Ministerium erst aus den Medien erfahren.

Der Nürnberger Justizsprecher Wolfgang Träg sagte, der heute 74-jährige Ex-Siemens-Mitarbeiter habe von 1971 bis 1981 neun uranhaltige Proben gestohlen und zu Hause aufbewahrt. Nur eine Probe habe jedoch angereichertes Uran enthalten, so Träg. Der Beschuldigte habe eingeräumt, das Material mitgenommen zu haben. Er habe damit die Anerkennung einer Berufskrankheit erreichen wollen.

Die bereits Anfang Juni aufgenommenen Ermittlungen hatte der Mann selbst ins Rollen gebracht. Er hatte Kontakt mit dem bayerischen Umweltministerium aufgenommen und die neun Proben zur Überprüfung übergeben.

Streit um Karlsruher Plutonium-Affäre

Im Streit über die Karlsruher Atom-Affäre warf der baden-württembergische Umweltminister Ulrich Müller (CDU) seinem Berliner Amtskollegen Trittin vor, ihn für ein "Polittheater" missbrauchen zu wollen. Mehr als Aufklärung und Sofortmaßnahmen seien "in der Kürze der Zeit weder möglich noch nötig gewesen". Ein Sprecher von Trittin erinnerte allerdings daran, dass der Fall bereits mehr als 14 Tage bekannt sei: "Da müsste doch eine Analyse und Information über das weitere Vorgehen möglich sein."

Der Karlsruher Fall war von einem inzwischen inhaftierten Abbrucharbeiter ausgelöst worden. Der 47-Jährige hat gestanden, aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage ein Röhrchen mit plutoniumhaltiger Substanz entwendet zu haben.

Quelle: ntv.de