Dossier

Zwischenruf 173 Absurder Cartoon-Streit

Von Manfred Bleskin

Vor der Botschaft der Bundesrepublik in Teheran brennt Schwarz-Rot-Gold und erleuchtet hasserfüllte Gesichter, die unserem Land den Tod wünschen.

Mohammed-Cartoons im Bundesgesetzblatt? Nein, nur eine Zeichnung im hauptstädtischen "Tagesspiegel", die vier iranische Fußballer mit umgeschnalltem Bombengürtel und vier Bundeswehrsoldaten in einem Stadion zeigt. Die Absicht: den vom Grundgesetz verbotenen Einsatz der Streitkräfte während der WM als das darzustellen, was er wäre – zumindest absurd.

Nun fordert die Botschaft der Islamischen Republik von der Zeitung eine Entschuldigung und "die notwendige Wiedergutmachung dieses unmoralischen Aktes". Denn die Zeichnung habe im Iran "Abscheu und Empörung ... ausgelöst".

Unmoral, Wiedergutmachung, Abscheu, Empörung. Wie moralisch sind die Appelle eines Staatspräsidenten, der ein ganzes Land von der Landkarte tilgen will? Wer macht wie wieder gut, was an Gefühl zerstört wird, wenn einer den industriellen Massenmord der deutschen Faschisten an den europäischen Juden verharmlost? Wie abscheulich ist der Tod tausender Iraner, die zunächst der so genannten "islamischen Revolution" folgten, dann aber in den Kerkern umkamen, in denen sie zuvor für ihren Kampf gegen Schah Reza Pahlevi geschmachtet hatten? Wie empörend ist der ungeheure Reichtum, den manch Mullah angehäuft hat, während viele Gläubige in Armut leben?

Da macht sich der Appell an die religiösen Gefühle gut, da denkt man nicht daran, woher das Brot für den nächsten Tag kommt und wer schuld daran ist, dass es so teuer ist. Und wenn einem im Atomstreit noch das trügerische Gefühl national-religiöser Größe gegeben wird, ist das Szenario perfekt.

All das macht es nicht besser, das manch Politiker/in hierzulande die Frage unbeantwortet lässt, wie Deutschland denn zur "militärischen Option" steht. Und Wasser auf die Mühlen jener, die einen ersten Schritt in Richtung Armee als Notstandspolizei gehen wollen, ist es allemal.

Für die einen sollten die Deutschen nicht Frieden und Demokratie, für die anderen nicht die Pressefreiheit hergeben. Und der deutschen wie der iranischen Elf sollten sie recht viele Tore wünschen.

Quelle: n-tv.de