Dossier

Mit Kamera auf Täterjagd BKA testet Foto-Fahndung

Mit High-Tech-Methoden auf Tätersuche: Das Bundeskriminalamt (BKA) prüft seit dieser Woche im Mainzer Hauptbahnhof, ob in der Masse der Reisenden Einzelne zuverlässig erkannt werden können - mit Hilfe der so genannten biometrischen Gesichtserkennung. Dabei werden die Gesichter der Menschen aufgenommen und vom Computer mit den in einer Datenbank gespeicherten Gesichtern von Gesuchten verglichen.

"Wenn eine Person die Rolltreppe herunterkommt, ist sofort klar, ob diese gesucht wird oder nicht", erläutert Projektleiter Andrew Pretzel die Funktion des Systems bei der Vorstellung am Dienstag. Sollte sich die Technik als brauchbar erweisen, könnten mit der elektronischen Foto-Fahndung etwa Terroristen oder mutmaßliche Gewalttäter gefasst werden. Während der viermonatigen Testphase ist das System laut BKA jedoch nicht an den üblichen Fahndungsdatenbanken angeschlossen. Es werde lediglich nach den etwa 200 freiwilligen Teilnehmern gesucht.

Den Reisenden, die die Rolltreppe vom Gleisübergang zum Hauptausgang des Mainzer Bahnhofs betreten, bietet sich derzeit ein ungewohntes Bild: Rechts unten ein Blumenladen, links unten ein Tabakhändler und geradeaus: Kameras. Die Menschen blicken unweigerlich in die auf sie gerichteten Linsen, die 15 Meter entfernt in gut 3 Metern Höhe angebracht sind. Und genau in diesem Moment soll die neue Technik greifen.

Eine der Testpersonen ist Martin Werner. Der 53-Jährige pendelt täglich von Bingen zur Arbeit nach Mainz und passiert den Kontrollbereich damit an jedem Werktag. "Ich habe nichts zu verbergen", sagt er. Werner hofft, dass er an der Entwicklung einer modernen Technologie mitarbeitet. Er störe sich daran, "dass im 21. Jahrhundert noch mit Fingerabdrücken gearbeitet wird", erklärt er.

Rund 55.000 Menschen nutzen nach BKA-Angaben werktags den Mainzer Hauptbahnhof. Damit geraten während der Testphase auch viele unbeteiligte Passanten ins Visier der Kameras. Ihre Aufnahmen sollen jedoch nach spätestens 48 Stunden gelöscht werden. "Wir müssen sicherstellen, dass es keine Verwechslungen mit Unbeteiligten gibt", sagte BKA-Vizepräsident Jürgen Stock. Nach seiner Darstellung sind erste Tests mit dem neuen System innerhalb der Behörde "ermutigend gewesen". Unter Laborbedingungen habe die Trefferquote immerhin bei 60 bis 80 Prozent gelegen.

Die biometrische Erfassung könne aber "nur eine unter vielen Techniken seien", sagte Stock. Die Technik könne auch nur in Innenräumen mit stabilen Lichtverhältnissen eingesetzt werden. Sollte sie nach Projektende im Januar 2007 tatsächlich zum Einsatz kommen, kann sich der BKA-Vize vorstellen, dass sie nicht nur zur Fahndung nach Verbrechern und Verdächtigen, sondern auch für die Suche nach Vermissten und Hooligans genutzt wird. "Soweit sind wir aber noch nicht", sagte Stock. Letztlich müsse über einen Einsatz ohnehin die Politik entscheiden.

Einen flächendeckenden Einsatz schloss Stock indes aus: "Die Polizei muss nachweisen, dass ein überwachter Ort ein Brennpunkt ist", erklärte er. Und einen Nachteil habe auch diese Technik: "Wenn eine Person nicht registriert ist, können wir sie natürlich auch nicht erfassen."

Daniel Bouhs, dpa

Quelle: ntv.de