Dossier

Die Giftfracht des Songhua Benzol und Nitrobenzol

Nach einem Chemieunfall schwemmt der chinesische Fluss Songhua eine Giftfracht mit sich, die am Donnerstag die Millionen-Stadt Harbin erreicht hat. Der Songhua dient den Städten und Gemeinden an seinem Ufer als Trinkwasserreservoir. Unter den gefährlichsten Stoffen in dem Flusswasser sind das Krebs erregende Benzol und Nitrobenzol.

Benzol und Nitrobenzol führen zu schweren Vergiftungen. Die farblosen Flüssigkeiten und ihre Dämpfe können über die Atmung, den Verdauungstrakt, aber auch durch die Haut in den Körper gelangen. Die charakteristisch nach Lösungsmittel riechenden Benzoldämpfe verursachen Schwindel, Erbrechen und Bewusstlosigkeit. Eine Konzentration von 20 Teilen Benzol in 1.000 Teilen Atemluft kann tödlich sein, wenn dieses Gemisch länger als fünf bis zehn Minuten eingeatmet wird. Dauerhafte Benzolvergiftungen schädigen Leber, Niere und Knochenmark und können zu Blutkrebs (Leukämie) und anderen Krebserkrankungen führen.

Nitrobenzol (C6H5NO2) nimmt dem Blut die Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen, das Blut wird dunkelbraun. Außerdem schädigt der süßlich nach Bittermandelöl riechende Stoff das Zentrale Nervensystem, es kommt zu Erbrechen, Kopfschmerzen, Krämpfen und Bewusstlosigkeit. Schwere Nitrobenzol-Vergiftungen können bereits nach einigen Stunden tödlich enden.

Der aus Benzol (C6H6) hergestellte Stoff ist ein wichtiges Zwischenprodukt für die Produktion von Anilin, das seinerseits eine wichtige Schlüsselsubstanz der chemischen Industrie ist. Auch Verpackungsmaterialien, Klebstoffe und CDs werden mit Hilfe von Benzol hergestellt. Benzol wird auch als Lösungsmittel eingesetzt, wird hier jedoch wegen seiner Gefährlichkeit zunehmend ersetzt. Früher wurde Nitrobenzol auch zur Parfümierung von Seife gebraucht. Die Verwendung in Kosmetika ist heute verboten.

Wer Kontakt mit Benzol hat, braucht eine Vollschutzkleidung, inklusive Kopfschutz, Schutzbrille und Handschuhen. Als Erste-Hilfe-Maßnahme müssen die Augen aus- und die Haut abgespült werden, verseuchte Kleidung muss entfernt werden.

Quelle: n-tv.de