Politik
Dienstag, 30. Oktober 2007

Wohin fliegt Merkel?: Bombay oder Mumbai?

Mumbai heißt die zweite Station der Indienreise von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dies ist der Name, den der Stadtrat von Bombay 1995 beschlossen hat und wie er von der Europäischen Union als offizielle Bezeichnung der Millionenstadt anerkannt wurde. Im Alltag aber ist der Name Bombay noch genauso lebendig wie die quirlige 16-Millionen-Metropole.

Namensgeberin für Mumbai ist die Hindu-Göttin Mumbadevi. Und am eifrigsten wird der neue Name denn auch von den Hindu-Nationalisten in Indien vertreten, die zwar nicht mehr an der Regierung sind, aber weiterhin großen Einfluss haben. Ende der 90er Jahre gingen Anhänger der nationalistischen Hindu-Partei Shiv Sena durch die Straßen und schwärzten alle Schilder von Geschäften oder Schulen, die an Bombay festhielten und nicht zu Mumbai wechseln wollten.

Das höchste Gericht der Stadt trägt aber weiter den offiziellen Namen "Bombay High Court". Die Bezeichnung dieser ehrwürdigen Institution zu ändern, würde einen Beschluss des Parlaments in Neu-Delhi erfordern, und dort gibt es keine Mehrheit dafür. Auch die Börse heißt weiter "Bombay Stock Exchange" (BSE). Der feine Klub Bombay Gymkhana hat seinen Namen ebenfalls nicht geändert, gibt aber auf seiner Webseite an, dass er im Süden von Mumbai zu finden ist. Manager haben oft zwei Arten von Visitenkarten, eine mit Mumbai für offizielle Kontakte in Indien und eine mit Bombay für den internationalen Austausch.

Sharda Dwivedi, Autorin von zwei Büchern über Bombay, ist über den Namenswechsel nicht glücklich. "Man kann nicht eine 300-jährige Geschichte auslöschen", sagt sie. In der Änderung sieht sie eine Verdrehung der Geschichte, und diese sei für die Identität der Stadt von großer Bedeutung: "Es ist das kollektive Gedächtnis der Menschen, worauf es wirklich ankommt." Der Versuch, alle Namen aus der Kolonialzeit abzuschaffen, treibe mitunter merkwürdige Blüten. So sei versucht wurden, die Laburnum-Straße in Bombay umzubenennen, weil das irgendwie englisch klinge. "Dann hat aber jemand gesagt: Das ist doch ein Baum und kein Engländer."

Nicht nur Bombay wurde umbenannt. Aus Kalkutta (englisch Calcutta) wurde Kolkata, Madras heißt offiziell Chennai, und Bangalore wurde in Bengaluru umbenannt und Kalikut in Kozhikode. Nicht nur im internationalen Austausch führt das zu Problemen, wie selbst der führende Politiker der Shiv-Sena-Partei, Pramod Navalkar, einräumt: "Es fing mit den Städten an, dann ging es mit Straßen und Kreuzungen weiter. Jetzt werden selbst Straßenecken umbenannt. Alle sind verwirrt." Dann kichert er und gesteht: "Ich sage auch oft noch Bombay."

Quelle: n-tv.de