Politik
Sonntag, 30. April 2006

Von Hexen und Maibäumen: Bräuche zum Mai-Anfang

Der 1. Mai ist nicht nur der Tag der Arbeit - seit Jahrhunderten gilt er als Frühlingsfest. Die Menschen im Mittelalter feierten an diesem Tag auch Ritter- und Turnierfeste, zudem wurden Waffenschauen veranstaltet.

Maibaum und Maien

Auf dem Land haben sich viele alte Mai-Sitten bewahrt. Ein beliebter Brauch ist das Errichten eines Maibaums. In der Nacht zum 1. Mai fällen die die männlichen Bewohner einen Baum und stellen ihn im Dorf auf. Die Bewohner schmücken den Stamm mit bunten Bändern. Da es üblich ist, in dieser Nacht Bäume aus Nachbardörfern zu rauben, muss das Gewächs überwacht werden. Am nächsten Morgen ist die Gefahr dann vorbei.

Bei einem anderen Brauch haben junge Männer Gelegenheit, den Mädchen des Dorfes ihre Gefühle kund zu tun: In der Nacht zum 1. Mai stellen Männer ihren Angebeteten Bäume - sogenannte Maien - vor das Fenster oder vor die Haustür. Mädchen, über die sich die Jungen jedoch geärgert haben, müssen damit rechnen, vertrocknete Sträuche zu finden. Es kommt aber auch vor, dass wenig beliebte junge Frauen eine Strohpuppe - die Schandmaie - auf dem Dach ihres Hauses entdecken.

Ihren Ursprung haben die Maifeiern wahrscheinlich in Riten, die zu Ehren der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Maja gefeiert wurden. Als Überbleibsel dieses antiken Brauchs gilt der Maibaum. Er diente in den Kultfeiern als Symbol männlicher Kraft.

Seit 1955 ist der 1. Mai auch ein kirchlicher Feiertag, der dem heiligen Josef - dem Patron der Arbeiter in der katholischen Kirche - gewidmet ist.

Walpurgisnacht

Ein altes Frühlingsfest ist auch die Walpurgisnacht. Sie wird in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai gefeiert. Die Ursprünge des Brauchs reichen in heidnische Zeiten zurück. Walpurgis war eine Frühlingsgöttin, deren Hochzeit in einigen Teilen des heutigen Deutschlands gefeiert wurde.

Im Laufe der Zeit bekam das Frühlingsfest noch eine andere Bedeutung - die eines Hexentreffens. Der Legende nach versammeln sich in der Walpurgisnacht die Hexen, um ihren Sabbat zu feiern. Auf Besen fliegen sie zu ihren Versammlungsorten. Der Blocksberg - Brocken - im Harz ist der bekannteste Treffpunkt.

Berühmtheit erlangte die Walpurgisnacht durch Goethes Faust: Mephisto bringt Faust auf den Blocksberg, damit dieser Gretchen vergisst.

Quelle: n-tv.de