Dossier

"Der Rio Xingu wird rot sein von Blut" Brasilien streitet über Staudamm

16555652.jpg

Mit dem Projekt Belo Monte schreitet die Abholzung des Regenwaldes am Amazonas voran.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für ein Staubecken im Amazonas will die brasilianische Regierung 516 Quadratkilometer überfluten. 4000 Indios sind bereit, das mit Waffengewalt zu verhindern.

Am Rio Xingu im brasilianischen Amazonas droht gewaltiger Ärger. Brasiliens Regierung will dort einen Staudamm und eins der größten Wasserkraftwerke der Welt bauen. Die vorläufige Umweltgenehmigung für das Milliarden-Projekt Belo Monte wurde Anfang Februar mit Auflagen erteilt und die Ausschreibung ist für April vorgesehen. Doch Umweltverbände, katholische Bischöfe und vor allem die am und vom Xingu-Fluss lebenden Indios laufen Sturm. Die Ureinwohner schicken klare Botschaften an die Zentralregierung nach Brasília und drohen mit gewaltsamem Widerstand, sollten die Bagger anrollen und die Bautrupps in ihren Lebensraum vordringen.

"Die Regierung wird dieses Werk nur bauen, wenn sie die Indios tötet, die hier leben. Der Rio Xingu wird rot sein von Blut. Wir wurden vergessen, beiseite geschoben und wir haben das Recht zu sagen, was wir über diesen Staudamm denken", warnte kürzlich Luis Xipaia, Vorsitzender des Indio-Rates von Altamira, einem rund 110.000 Einwohner zählenden Ort in der Nähe des geplanten Projektes. Er fügte hinzu, etwa 4000 Indios in neun Siedlungen seien bereit, zu den Waffen zu greifen. Für die Staubecken soll eine Fläche von 516 Quadratkilometern überflutet werden. In Spitzenzeiten soll Belo Monte über 11.200 Megawatt Strom produzieren. Dies wäre aber wegen unterschiedlicher Wasserstände nur einige Monate im Jahr der Fall.

20.000 Menschen müssen umgesiedelt werden

Das Kraftwerk Belo Monte ("Schöner Berg"), von seinen Gegnern kurz Belo Monstro ("Schönes Monster") getauft, wird vermutlich deutlich mehr als die ursprünglich von staatlicher Seite errechneten 16 Milliarden Reais (6,5 Mrd. Euro) kosten, denn die Umweltbehörde hat 40 Auflagen erteilt und allein für die fallen nochmals etwa 1,5 Milliarden Reais an. Je nach Quelle liegen die Schätzungen für die Gesamtkosten bei bis zu 30 Milliarden Reais. Die Fertigstellung ist für das Jahr der Fußball-WM in Brasilien, 2014, geplant. Für das nach Itaipú zweitgrößte Wasserkraftwerk des Landes, müssten vermutlich bis zu 20.000 Menschen umgesiedelt werden.

"Belo Monte" ist das größte Energie-Projekt im Wachstumsbeschleunigungsprogramm (PAC) der Regierung Lula, für das seine Wunschnachfolgerin im Amt des Staatschefs, die derzeitige Präsidialamtsministerin, Dilma Rousseff, verantwortlich zeichnet. Im Oktober sind Präsidentschaftswahlen in Brasilien, und es wäre wohl kein gutes Zeichen, wenn das Prestigeprojekt ad acta gelegt würde. Aber genau das fordert auch Xingus Bischof, Dom Erwin Kräutler, der als Präsident des Indianermissionsrates (CIMI), schon lange Front macht gegen das Projekt im Bundesstaat Pará.

Indios, Bischof und Umweltschützer dagegen

Unter dem Motto "Ich bin dagegen!" kritisiert der in Österreich geborene Geistliche vor allem die mangelnde Beteiligung der betroffenen Bevölkerung. Von 27 Anhörungen habe es nur vier gegeben. Ganze Distrikte würden überflutet und auch etwa ein Drittel der Stadt Altamira werde unter Wasser stehen. Aber darauf weise niemand ausdrücklich hin, warnt Kräutler. "Wir wollen verhindern, dass die Regierung Lula als eine Regierung in die Geschichte eingeht, die am Xingu die Ausrottung der indigenen Völker anordnete." Seine Bischofskollegen in den Bundesstaaten Pará und Amapá stehen ihm bei und warnen vor "desaströsen Konsequenzen" des Baus. Sie verweisen auf Studien, wonach Belo Monte eine Gesamtfläche von mehr als 1522 Quadratkilometer zerstören werde.

Mit ihm Boot der Kritiker sitzt auch Greenpeace. Belo Monte werde zu Entwaldung einer Fläche von mehr als 500 Quadratkilometern führen und das mitten im Herzen des Amazonas und einem Gebiet, das noch verhältnismäßig intakt sei, warnte Brasiliens Greenpeace-Direktor Marcelo Furtado. "Es sind Arbeiten mit Zement und Stahl, typisch für das vergangene Jahrhundert." Für Energieminister Edison Lobão ist Belo Monte dagegen eine Investition in die Zukunft, die auch Arbeitsplätze bringt. "Belo Monte ist unsere Garantie für Energiesicherheit." Obwohl die Regierung alles daran setzt, noch 2010 mit Arbeiten zu beginnen, ist unklar, wer den Streit am Rio Xingu gewinnt. Die Gegner haben lange Protesterfahrung, denn die Staudamm-Pläne im Amazonas gibt es schon seit etwa drei Jahrzehnten.

Quelle: n-tv.de, Helmut Reuter, dpa

Mehr zum Thema