Dossier

Beunruhigende Entwicklung Christenverfolgungen nehmen zu

Ob Pakistan, China oder Eritrea: Immer mehr Christen werden außerhalb Europas verfolgt, eingesperrt und getötet. Dabei geht es den Verfolgern und Unterdrückern um ihre eigene Machtsicherung.

christen.jpgMal geht es um Pakistan, dann wieder um Indien oder um den Irak. Beklemmend häufig muss Papst Benedikt XVI. sich öffentlich darüber beklagen, dass Christen verfolgt und verhaftet, diskriminiert oder in der Religionsfreiheit eingeschränkt werden. Das gilt für vom Islam geprägte Länder, aber beileibe nicht nur. "Derzeit haben wir die größte Christenverfolgung aller Zeiten", schlägt das Hilfswerk "Open Doors" Alarm und listet die Länder auf, in denen Christen mit Gewalt begegnet wird. Und Radio Vatikan prangert an, dass es sich dabei um die derzeit am meisten verfolgte Religionsgruppe handele.

Diese beunruhigende Entwicklung kommt in einer Zeit, in der sich immer deutlicher eine "neue Geografie der Religionen" abzeichnet, mit einem verstärkten Zulauf in Afrika, Asien und auch Lateinamerika für das früher doch in Europa zentrierte Christentum. "Im Jahr 2050 wird jeder Dritte auf der Welt ein Christ sein, auf drei Christen kommen dann zwei Muslime", so rechnete die römische Zeitung "La Repubblica" hoch: "Und die meisten Christen leben schon heute außerhalb Europas."

Es geht um Machtsicherung

"Während wir Gottesdienste in Freiheit feiern, werden sie in über 50 Ländern gestört oder verhindert, Christen zusammengeschlagen, in Gefängnisse gebracht und unter Druck gesetzt, ihren Glauben an Jesus zu verleugnen", kritisiert das Hilfswerk für verfolgte Christen in der Welt. Es listet vor allen anderen Ländern Nordkorea an. Denn dort steckten Zehntausende von Christen in Straf- und Arbeitslagern, weil das kommunistische Regime in Pjöngjang sie fürchte, habe die Kirche doch auch nicht unerheblich zum Zusammenbruch der totalitären Regime in Osteuropa beigetragen. Hier geht es also um reine Machtsicherung.

christen2.jpgZum Beispiel Pakistan. Dort brachen Unruhen aus, weil bei einer katholischen Hochzeit Dorfbewohner angeblich den Koran entweiht haben sollen. Wütende Muslime zerstörten daraufhin Häuser und eine Kirche in dem Dorf Gorja in der Provinz Punjab. Katholiken und Protestanten wehren sich seitdem öffentlich gegen das "Blasphemiegesetz" von 1986, das jene mit der Todesstrafe bedroht, die den Koran oder auch den Propheten Mohammed verunglimpfen. Dieses Gesetz diene Islamisten als Vorwand für Gewalt gegen Christen und auch gegen gemäßigte Muslime, sagte Peter Jacob von der katholischen Friedensbewegung Pax Christi.

Oder auch Indien. Dort fürchten sich die Christen im Bundesstaat Orissa vor neuen gewalttätigen Übergriffen. Seit einem Anschlag auf einen Hindu-Führer vor einem Jahr hat die Polizei 1000 Straftaten registriert, die Teil der daraufhin einsetzenden Gewaltwelle gegen Christen sind. Auffallend ist die oft extreme Gewaltbereitschaft. In China dagegen ist es wiederum die Regierung, der es nicht passt, wenn Christen dort das Evangelium verkünden. Karin Maria Fenbert vom Hilfswerk "Kirche in Not" beklagt im Gespräch mit Radio Vatikan, "dass immer noch viele katholische Geistliche und Bischöfe in Haft sind, teilweise in Arbeitslagern oder einfach spurlos verschwunden".

Ende der Epoche des westlichen Christentums

Diese oft schwierige Lage der Christen wird Benedikt im Visier haben, wenn er - wie erwartet wird - im kommenden Frühjahr mehrere asiatische Länder bereist. Aber "Open Doors" listet nicht nur den Iran, Afghanistan und Laos unter den "führenden Christenverfolgern" auf, sondern auch Somalia und Eritrea in Afrika. Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, musste vor seiner Afrika-Reise Ende August die Gewalt in Nigeria verurteilen: "Nach allem, was wir wissen, gehen die Gewaltakte von einer kleinen radikal-islamischen Gruppe aus, die die seit langem bestehenden Spannungen zwischen Christen und Muslimen (...) verschärfen will."

Die Konflikte eskalieren damit offensichtlich auch dort, wo Religionsexperten künftige Gravitationszentren der Christenheit ansiedeln, etwa in Afrika. "Wir erleben gerade das Ende der Epoche des westlichen Christentums, während am Horizont das Christentum der südlichen Hemisphäre aufscheint", so meint der Religionshistoriker Philip Jenkins von der Pennsylvania-Universität. Und diese Dynamik entwickelt sich gleichzeitig mit den oftmals gewalttätigen Christenverfolgungen.

Quelle: ntv.de, Hanns-Jochen Kaffsack, dpa