Dossier

Chronologie Der Saddam-Prozess

Das irakische Sondertribunal hat den früheren Präsidenten Saddam Hussein wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt. Auch Saddams Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti und der ehemalige Vorsitzende des irakischen Revolutionsgerichtes Auad Hamed al-Bander erhielten die Todesstrafe. Vier weitere Mitangeklagte in dem Prozess um das 1982 verübte Massaker an 148 schiitischen Dorfbewohnern wurden zu Haftstrafen verurteilt. Eine Chronik des Gerichtsverfahrens:

19. Oktober 2005: Das Verfahren wird eröffnet. Es konzentriert sich auf ein Massaker an 148 Schiiten aus dem Dorf Dudschail, in dem Anfang der 80er Jahre ein Anschlag auf Saddam verübt wurde. Saddam und seinen sieben Mitangeklagten werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

20. Oktober: Saadun Dschanabi, ein Anwalt des mitangeklagten Ex-Richters Auad al-Bander, wird von Unbekannten aus seinem Büro entführt und getötet.

8. November: Extremisten nehmen das Auto zweier Verteidiger unter Beschuss. Einer wird getötet, einer verletzt.

7. Dezember: Saddam nimmt nicht an der Verhandlung teil. Am Vortag hatte er das Gericht verflucht ("Fahrt zur Hölle!"). Die Anhörung weiterer Zeugen findet ohne ihn statt.

21. Dezember: Saddam beschwert sich über Folter in US-Haft.

10. Januar 2006: Der Vorsitzende Richter Risgar Amin zieht sich aus dem Prozess zurück.

16. Januar: Das Sondertribunal ernennt Amins Stellvertreter Sajid al-Hamaschi zu dessen Nachfolger.

18. Januar: Die irakische Kommission zur Entfernung ehemaliger Mitglieder von Saddams Baath-Partei aus einflussreichen Positionen fordert eine Entlassung Hamaschis, weil er ein Baath-Mitglied gewesen sei. Hamaschi weist den Vorwurf zurück.

23. Januar: Hamaschi wird an eine andere Strafkammer versetzt. Rauf Abdel Rahman wird vorläufig zum Vorsitzenden Richter ernannt.

29. Januar: Im Gerichtssaal bricht Chaos aus. Der Angeklagte Barsan al-Tikriti wird des Saales verwiesen, nachdem er sich immer wieder laut zu Wort gemeldet und das Gericht als Hurensöhne beschimpft hat. Saddam und seine Verteidiger verlassen den Saal aus Protest.

1. Februar: Saddam und vier Mitangeklagte sowie deren Verteidiger weigern sich, an der Verhandlung teilzunehmen.

13. Februar: Saddam erscheint wieder vor Gericht und verweigert eine Zusammenarbeit mit den Pflichtverteidigern. Seine Anwälte nehmen weiter nicht teil.

14. Februar: Saddam schreit das Gericht an und erklärt, er und seine Mitangeklagten befänden sich seit drei Tagen im Hungerstreik.

28. Februar: Saddams Anwälte verlassen den Gerichtssaal erneut, nachdem ihre Anträge auf eine Entlassung des Richters und eine Vertagung abgelehnt wurden.

1. März: Saddam gibt zu, dass er Prozesse gegen Dudschail-Bewohner angeordnet hat, die zu Hinrichtungen geführt haben. Er habe sich dabei aber im Rahmen der irakischen Gesetze bewegt.

15. März: Saddam beschimpft das Gericht als Komödie und ruft die Iraker auf, gegen die Invasoren im Land zu kämpfen. Das Tribunal macht von seinem Recht Gebrauch und schließt die Öffentlichkeit von der Verhandlung aus.

4. April: Das Sondertribunal kündigt ein zweites Verfahren gegen Saddam an. Er soll sich für Völkermord an der kurdischen Minderheit verantworten.

15. Mai: Saddam weigert sich, zur Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit Stellung zu nehmen. Stattdessen bezeichnet er sich erneut als Präsidenten des Iraks.

24. Mai: Als erster Zeuge der Verteidigung sagt der einstige Vize-Ministerpräsident Tarek Asis aus und nimmt Saddam dabei in Schutz.

31. Mai: Die Verteidigung wirft der Anklage Zeugenbestechung vor.

13. Juni: Der Vorsitzende Richter erklärt die Zeugenvernehmung für beendet.

19. Juni: Die Anklage fordert im Schlussplädoyer die Todesstrafe für Saddam und drei weitere Angeklagte. Der Prozess wird auf den 10. Juli vertagt. Dann soll die Verteidigung ihre abschließende Stellungnahme abgeben.

5. November: Das Gericht verurteilt Saddam Hussein, seinen Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti und den ehemaligen Vorsitzenden des irakischen Revolutionsgerichtes Auad Hamed al-Bander zum Tode. Saddams früherer Stellvertreter Taha Jassin Ramadan wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Drei Vertreter der Baath-Partei in Dudschail werden zu je 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Quelle: n-tv.de