Dossier

Nuklearterrorismus Die Gefahr der "schmutzigen Bomben"

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Obama hat die Verringerung der atomaren Bedrohung zu einem Kernanliegen seiner Präsidentschaft gemacht.

(Foto: AP)

Vor dem Atomgipfel in Washington nennt US-Präsident Barack Obama den Nuklearterrorismus die "größtmögliche Gefahr". Organisationen wie Al-Kaida würden ohne Skrupel Massenvernichtungswaffen einsetzen. n-tv.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Gipfel und zur nuklearen Gefahr durch Terroristen.

1. Wer nimmt an der Konferenz teil?

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Die Gipfelteilnahme des chinesischen Präsidenten Hu Jintao trotz der derzeitigen Spannungen mit den USA gilt als Hinweis für die Relevanz des Themas.

(Foto: REUTERS)

Staats- und Regierungschefs aus 47 Staaten haben ihre Teilnahme zugesagt. Darunter sind die fünf offiziellen Atommächte China, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA. Israel, das als inoffizielle Atommacht gilt, wird durch einen Minister vertreten. Indien und Pakistan, beides selbsterklärte Atommächte, nehmen ebenfalls teil. Nicht eingeladen wurden Nordkorea, das nach Eigendarstellung im Besitz von Atomwaffen ist, und Iran, der nach Meinung der internationalen Gemeinschaft den Besitz von Atomwaffen anstrebt. Deutschland wird durch Bundeskanzlerin Angela Merkel vertreten.

2. Welche Gefahren bestehen im Nuklearterrorismus?

Experten gehen von vier möglichen Szenarien terroristischer Anschläge mit radioaktivem Material aus:

  1. Bau einer kleinen, improvisierten Atombombe durch Terroristen
  2. Diebstahl oder Kauf einer Atombombe in Staaten, die diese besitzen und ungenügend sichern
  3. Konventioneller Angriff auf eine Nuklearanlage, zum Beispiel ein Atomkraftwerk
  4. Bau einer sogenannten Schmutzigen Bombe, also eines konventionellen Sprengsatzes, der mit radioaktivem Material angereichert bzw. vermischt ist

Nur die ersten beiden Fälle meinen eine Atomwaffe im engeren Sinne. Deren Herstellung braucht neben dem radioaktiven, hoch angereicherten Material auch ein hohes, technisches Wissen. Der Herstellung durch Terroristen sind damit Grenzen gesetzt. Bei einem Angriff auf ein Atomkraftwerk gilt als unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen, dass es zu einer nuklearen Kettenreaktion wie bei einer Atombombe kommt. Jedoch können große Mengen radioaktiver Strahlung austreten. "Schmutzige Bomben" werden - in Abgrenzung zu Atomwaffen - als radiologische Waffen bezeichnet. Zu ihrer Herstellung wird neben radioaktivem Material ein konventioneller Sprengkörper benötigt.

3. Was unterscheiden Atombomben und "schmutzige Bomben"?

Bei einer Atombombe kommt es zu einer Kernspaltung oder -fusion, also einer nuklearen Kettenreaktion. Dies löst eine enorme Druck- und Hitzewelle aus und setzt explosionsartig radioaktive Strahlung frei. Diese Zerstörungswucht fehlt bei einer "schmutzigen Bombe", da bei ihr keine Nuklearexplosion stattfindet. Stattdessen kommt es zur Detonation eines konventionellen Sprengkörpers mit geringerer Wucht. Trotzdem können Menschen im unmittelbaren Umfeld der Explosion getötet oder verletzt werden. Die Hauptwirkung der "schmutzigen Bombe" ergibt sich aus der radioaktiven Verseuchung des Zielgebietes, da das der Bombe beigemischte radioaktive Material durch die Explosion in der Umgebung verstreut wird.

4. Worin besteht die Gefahr einer "schmutzigen Bombe"?

Nach Darstellung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist die Gefahr für die Bevölkerung gering: "Eine hohe Dosisleistung (Strahlenbelastung) und damit eine gesundheitsgefährdende Folgedosis für die Bevölkerung ist mit diesen Waffen nur sehr schwer zu erreichen."

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Auch die Sicherheit von Atomkraftwerken soll erhöht werden?

(Foto: dpa)

Auch Gebhard Geiger von der Stiftung Wissenschaft und Politik meint, dass die akute Lebensgefahr gering ist. Abhängig von Strahlungsart, -intensität und -dauer sei jedoch eine erhebliche Verseuchung des Gebietes möglich. Hinzu komme die "Dauerbelastung mit erheblichem Krebsrisiko" bei den betroffenen Menschen, so Geiger. Aus der Kontaminierung des Gebietes entseht zudem wirtschaftlicher Schaden, hinzu kommt die aufwendige Dekontaminierung nach einem Angriff.

Einig sind sich die Experten in der psychologischen Wirkung einer "schmutzigen Bombe", die bis hin zur Massenpanik reichen kann. Begründet ist dies in der Angst vor einer radioaktiven Verstrahlung. Allerdings ist auch die häufige Unkenntnis der unterschiedlichen Wirkungsweisen von Atom- und "schmutziger Bombe" eine Ursache.

5. Welche Maßnahmen sind auf dem Nukleargipfel geplant?

Ziel der Konferenz ist es, die nukleare Sicherheit weltweit zu erhöhen. Vor allem geht es dabei um die Sicherung radioaktiven Materials in zivilen und militärischen Forschungseinrichtungen, Atomkraftwerken und medizinischen Geräten vor Diebstahl und Angriffen. Selbst wenn dieses Material nicht in einer Atombombe einsetzbar wäre, lassen sich daraus doch "schmutzige Bomben" herstellen. US-Präsident Obama strebt einen vierjährigen Prozess an, in dem neue Sicherheitsstandards und internationale Verträge erarbeitet werden sollen. Der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA soll dabei eine stärkere Position zukommen.

6. Was kann gegen Atomschmuggel getan werden?

Auf der Konferenz soll auch diskutiert werden, wie die illegale Verbreitung von Nuklearmaterial unterbunden werden kann. Seit 1993 sind der IAEA mehr als 1500 Fälle bekannt, in denen radioaktives Material gestohlen wurde oder verschwand. Schmuggel und illegaler Handel von Nuklearmaterial sollen durch eine schärfere Strafverfolgung verhindert werden. Zudem soll besser erfasst werden, wie viel Nuklearmaterial im Umlauf ist. Vor allem das Atomwaffenarsenal in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion gilt als kaum überschaubar. Laut US-Sicherheitsexperten existieren weltweit rund 1600 Tonnen hoch angereichertes – also waffenfähiges – Material und etwa 500 Tonnen Plutonium. Je genauer man weiß, wie viel Nuklearmaterial wo gelagert wird, desto schwerer dürfte der illegale Handel damit sein.

Quelle: n-tv.de, mli

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