Dossier

Porträt Dschalal Talabani

Der irakische Kurdenführer Dschalal Talabani (72) präsentiert sich trotz seines fortgeschrittenen Alters gerne als Symbolfigur eines modernen sozialdemokratischen Kurdistan. Der Vorsitzende der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) hat im Laufe seiner langen politischen Karriere mehrfach die Bündnispartner gewechselt. Er hat der US-Regierung und den amerikanischen Truppen wiederholt für die "Befreiung des Irak" gedankt.

Dschalal Talabani wurde 1933 als Spross einer einflussreichen Familie in einem Dorf bei Koi Sanjak nördlich von Kirkuk geboren. Er studierte Jura in Bagdad und erlernte mehrere Sprachen, darunter auch Englisch und Französisch. Schon früh schloss er sich der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) von Mustafa Barsani an. Während des Kurdenaufstandes Mitte der 70er Jahre gehörte er zur Parteispitze. Als Barsani kapitulierte und ins Exil ging, gründete Talabani 1975 in West-Berlin die PUK und nahm später den Kampf gegen die Bagdader Zentralregierung wieder auf.

Nach dem Golfkrieg 1991 versuchten die Kurden erneut vergeblich, sich der Kontrolle durch Saddam Hussein zu entziehen. Unter internationalem Schutz konnten die PUK und die inzwischen von Barsanis Sohn Massud geleitete KDP jedoch eine Autonomiezone etablieren. Allerdings kam es in den 90er Jahren wiederholt zu Gefechten zwischen den Milizen der rivalisierenden Parteien, wobei Barsani sogar einmal Hilfe durch Saddams Truppen erhielt. Erst als 2002 klar wurde, dass die USA es diesmal ernst meinten mit dem geplanten Sturz von Saddam, rauften sich die Kurdenführer endgültig zusammen. Talabani gehörte dem von der US-Besatzungsverwaltung nach dem Krieg 2003 ernannten Provisorischen Regierungsrat an.

Quelle: ntv.de