Dossier

Weit reichende Folgen Erinnerung an 1996

von Ulrich W. Sahm

Der Angriff auf das Gebäude in Kana erinnert an das "Massaker von Kana" im April 1996, das während der Operation "Früchte des Zorns" von Premierminister Schimon Peres befohlen wurde, nachdem Raketen der Hisbollah in der nordisraelischen Stadt Kirjat Schmone mehrere Menschen getötet hatten.

An einem Tag mit sehr schlechtem Wetter war angeblich eine israelische Kommandoeinheit im Südlibanon entdeckt worden. Die Hisbollah schoss mit ihrer Artillerie in Richtung des Kommandos, woraufhin die israelische Artillerie den Befehl erhielt, die Kanone in Kana zum Schweigen zu bringen.

Die Hisbollah hatte die Kanone auf einem Friedhof nur 300 Meter entfernt vom UNIFIL Hauptquartier in Kana aufgestellt. Die Israelis verfehlten ihr Ziel und trafen stattdessen den Innenhof und die Mannschaftsbaracken der UNO-Stellung. Dort hatten sich tausende libanesische Flüchtlinge versammelt, in der Annahme, unter dem Schirm der Vereinten Nationen sicher zu sein. Mindestens 102 Menschen starben bei diesem Angriff.

Kritiker Israels behaupteten, dass die Flüchtlinge absichtlich beschossen hätte, ohne jedoch erklären zu können, welchen Profit sich Israel mit dem Tod so vieler Unschuldiger erhoffte. Peres bedauerte damals den Tod der Zivilisten. Die Welt war so schockiert, dass Israel seine Kampagne gegen die Hisbollah fast augenblicklich abbrechen musste. Wenig später verlor der gemäßigte Schimon Peres die Parlamentswahlen, weil die israelisch-arabische Bevölkerung wegen dem "Massaker von Kana" die Wahlen boykottierte. Mit nur wenigen Stimmen Vorsprung gewann Benjamin Netanjahu die Wahlen, letztlich mit dem Mandat seiner rechtsgerichteten Wähler, dem Osloer Friedensprozess mit den Palästinensern einen Todesstoß zu verpassen.

Quelle: n-tv.de