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Atomlager Asse Fehler und Folgen

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Was genau in Asse unter die Erde gebracht wurde, ist bis heute unklar.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Das marode Atomlager Asse in Niedersachsen birgt eines der größten Umweltprobleme der Bundesrepublik. Aus dem einstigen Salzbergwerk wurde eine radioaktiv belastete Anlage mit unbekannten Risiken.

Wer betreibt die Anlage?

Nach etlichen Pannen und Versäumnissen wurde dem ehemaligen Betreiber, der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF), die später im Helmholtz-Zentrum München aufging, zum Jahresbeginn 2009 die Verantwortung entzogen. Seit Januar ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS/Salzgitter) zuständig, das direkt dem Bundesumweltministerium untersteht. Mit dem Betreiberwechsel ging einher, dass die ursprünglich als Forschungsbergwerk deklarierte Schachtanlage Asse - die faktisch als Atomendlager diente - unter Atomrecht fällt.

Was wurde in den Schächten der Asse eingelagert?

Was genau dort unter die Erde gebracht wurde, ist bis heute unklar. Bis 1978 wurden 126.000 Blechfässer mit schwach- und 1300 mit mittelradioaktivem Müll eingelagert - insgesamt knapp 47.000 Kubikmeter. Ein Teil davon enthält in geringen Mengen Kernbrennstoffe, auch hochstrahlendes Plutonium. Allein in der einsturzgefährdeten Kammer 4 in etwa 750 Metern Tiefe lagern rund 6000 Behälter. Grundsätzlich sind in dem radioaktiven Abfall giftige Stoffe wie Arsen, Quecksilber und Blei enthalten. Zudem wurde in der Asse auch gut ein Dutzend Fässer mit hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln entsorgt.

Welche Probleme gibt es in der Anlage?

Das niedersächsische Umweltministerium sieht bedenkliche Zustände in der Asse. Der Strahlenschutz entspreche "nicht dem in kerntechnischen Anlagen üblichen Standard". Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein - täglich etwa zwölf Kubikmeter. Außerdem erschwert radioaktiv kontaminierte Lauge eine ordentliche Entsorgung. Jahrelang trat die mit den nicht natürlichen Radionukliden Cäsium 137 und Tritium radioaktiv verseuchte Lauge in 750 Metern Tiefe aus. Die Grenzwerte wurden zum Teil um das Achtfache überschritten. Die Salzlösung muss Kontakt mit dem Atommüll gehabt haben, Fässer in der verschlossenen Kammer sollen verrostet und leck sein. Nun wurde in 950 Metern Tiefe eine Ansammlung von neuen Salzlösungen festgestellt. Laut BfS wurden in den Lösungen Werte für Tritium von 27.000 Becquerel pro Liter und für Cäsium 137 von 121 Becquerel pro Liter festgestellt.

Woher kommt das Tritium?

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Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein - täglich etwa zwölf Kubikmeter.

(Foto: AP)

Das farblose Gas ist eine schwach radioaktive Variante (Isotop) des Wasserstoffatoms. Es entsteht in der Natur durch kosmische Strahlung in den äußeren Schichten der Atmosphäre und künstlich bei Kernreaktionen. Im Kühlsystem von Atomreaktoren bildet es radioaktive Wassermoleküle. In Uhren mit Leuchtstoffziffern ersetzt Tritium das früher übliche Radium. Alle deutschen Atomkraftwerke - insbesondere Druckwasserreaktoren - geben über Abluft und Abwasser schon im Normalbetrieb Tritium an die Umwelt ab. Messungen ergaben in Kernkraftwerken dabei Werte von rund 200 bis mehr als 4000 Becquerel je Liter.

Wie gefährlich ist Cäsium?

Die meisten Cäsiumisotope entstehen als Spaltprodukte im Kernreaktor. Öffentlich bekannt wurde das Metall besonders durch die Katastrophe von Tschernobyl 1986, als es mit anderen Spaltprodukten in die Atmosphäre gelangte. Besonders Pilze und das Fleisch von Wildtieren waren belastet, die in der EU geltenden Grenzwerte für Lebensmittel von 600 Becquerel je Kilogramm wurden um ein vielfaches übertroffen. An der Luft entzündet sich Cäsium spontan. Verwendet wird das radioaktive Element unter anderem als Strahlungsquelle in der Medizin (Krebstherapie), zur Herstellung von Fotozellen oder zum Einsatz in Nachtsichtgeräten.

Welche Gefahren gehen von der Asse aus?

Nach Angaben des BfS ist durch die Kontamination eine Gefährdung des Betriebspersonals und der Umgebung der Asse ausgeschlossen. Auch das Umweltministerium in Hannover stellte fest: "Bisher haben sich keine Hinweise darauf ergeben, dass durch die bisherigen Abgaben der Laugen Gefahren für Menschen und Umwelt bestanden haben." Asse-Gegner kritisieren diese Einschätzung als "Beschwichtigung" der Bevölkerung.

Quelle: n-tv.de, Friedhelm Schachtschneider, dpa

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