Dossier

Bush-Berater guter Laune Gelächter bei US-Journalisten

US-Präsidentenberater Dan Price war zwar in Hochstimmung, aber dann druckste er doch herum. Welche konkreten Auswirkungen denn die G8-Schlusserklärung zur Klimafrage für die USA habe, lautete die Reporterfrage. Natürlich beschreibe das G8-Papier vor allem eine "gemeinsame Vision" und das "Bestreben", bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgase zu halbieren. Es sei eine "völlig abwegige Charakterisierung", dass der Fortschritt zwischen dem G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 und dem Treffen jetzt in Toyako nur darin bestehe, dass damals die Formulierung gewählt wurde, das Klima-Ziel werde "ernsthaft erwogen" und diesmal von einer "gemeinsamen Vision" gesprochen werde.

Das Gelächter der Journalistenschar des Weißen Hauses signalisierte Price, dass ihm kaum jemand abnahm, der G8-Gipfel in Japan habe "einen substanziellen Fortschritt" beim Thema Klima erzielt. Das sollte ihm die gute Laune aber kaum verderben - denn die US-Regierung glaubt, in Toyako ein "ausgezeichnetes Ergebnis" erzielt zu haben. Allerdings braucht es wie schon in Heiligendamm viel Optimismus, um in den G8-Formulierungen für Ziele in 42 Jahren einen wirklichen Fortschritt zu sehen.

Der Realität entrückt

Die Weltführer gingen zwar in Toyako einen kleinen Schritt weiter als am Ostseestrand vor einem Jahr. Nun verpflichten sich die meist auf vier oder fünf Jahre gewählten Staats- und Regierungschefs auf das ambitionierte Ziel. US-Präsident George W. Bush, gerade mal noch ein halbes Jahr im Amt, sprach schon lange von den "Visionen", wenn es um langfristige Klima-Ziele ging - nun findet sich auch im G8-Schlussdokument diese schöne, wenn auch etwas der Realität entrückte Formulierung wieder.

Zumindest beim Stab des Weißen Hauses herrschte am G8-Tagungsort spürbare Genugtuung: Aus US-Sicht wurden alle wichtigen Wünsche Bushs erfüllt. Es gab keine G8-Beschlüsse über gemeinsame und verbindliche mittelfristige Ziele in der Klimafrage für ein Nach-Kyoto-Abkommen. Das soll - wenn denn alle mitmachen - bis Ende 2009 bei der Klimakonferenz in Kopenhagen beschlossen werden.

Wie aus den Texten der Bush-Regierung

Die überragende Bedeutung der Einbindung der Schwellenländer wie China und Indien wird im G8-Papier ebenso betont wie die neuer Technologien im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Auch auf die Bedeutung der Kernenergie als saubere Energieform wird verwiesen. Schließlich soll der Kampf gegen die Treibhausgase nicht das Wirtschaftswachstum gefährden. Das meiste liest sich wie aus den Texten der Bush-Regierung zur US-Klimapolitik - die auch in den USA heftig umstritten ist, angefangen von der fundamentalen Kritik des demokratischen Friedensnobelpreisträgers und Umweltaktivisten Al Gore bis hin zum republikanischen Öko-Gouverneur Arnold Schwarzenegger in Kalifornien.

Bush hat es schon vorher gewusst: der G8-Gipfel werde "sehr erfolgreich", meinte er zum Auftakt des Treffens im hohen Norden Japans. Keiner der G8-Führer wird ihm widersprechen. Warum sollte auch jemand den Konflikt mit dem eigensinnigen Bush suchen, der ohnehin weiß, dass die USA in den Augen der Welt der größte Klimasünder sind und er deren starrköpfiger Verteidiger. Viele Hoffnungen richten sich auf seinen Nachfolger, der beim nächsten G8-Gipfel in Italien 2009 die USA vertreten wird. Sowohl der Demokrat Barack Obama als auch der Republikaner John McCain wollen in der US-Klimapolitik einen Kurswechsel.

Quelle: ntv.de, Laszlo Trankovits, dpa