Dossier

Krempel aus "Erichs Lampenladen" Goldene Nase machen

Letzte Gelegenheit für DDR-Nostalgiker: Während sich in Berlin der Keller des Palasts der Republik allmählich mit Schlamm füllt und Abrisskräne sich um sein Gerippe drehen, können Sammler auf Jagd nach letzten Andenken aus "Erichs Lampenladen" gehen. Auf dem Kurfürstendamm verkauft ein Antikladen Restbestände des Original-Porzellans aus dem DDR-Prestigebau. Der Senat gibt die Kupferfarben schimmernden Außenscheiben an Künstler und Museen ab. Im Internet ist viel "Palastkitsch" zu finden. Und in einer alten Militärkaserne in Spandau lagern noch Hunderte von Einzelstücken des einstigen Inventars – vom Volkskammerstuhl bis zum Klorollenhalter.

Suppenteller, Kaffeekannen und Mokkatässchen aus dem Sortiment des weißen Staatsratsporzellans mit echtem Goldrand und "PdR"-Signet hat Antiquitätenhändler Denny Munter am Ku'damm zu bieten: "Ich habe einen Restbestand von gut 20000 Teilen." In den vergangenen Wochen habe es vermehrt Anfragen nach dem Geschirr gegeben, aus dem einst Honecker und Co. speisten. Eine kleine Untertasse ist für 50 Cent zu haben, das Mokkatässchen kostet 39 Euro. Außerdem verkauft Munter Arbeitshosen aus blauer Baumwolle mit eingestickten Palast-Initialen.

1996 hatte der Berliner das gesamte Porzellan aus dem wegen Asbestverseuchung geschlossenen Palast der Republik aufgekauft. Ferner übernahm Munter Lampen, Gläser, Besteck, Tischdecken und Arbeitskleidung. Sammler aus der ganzen Welt kauften das Geschirr, das aus allen Restaurants des "Palazzo Prozzo" stammt. "Die Käufer kamen sogar aus Australien, Japan und den USA", berichtet der 58-Jährige.

Die braun getönten Außenscheiben des mittlerweile völlig ausgeweideten Stahl- und Betonkolosses gibt die Senatsbauverwaltung kostenlos für nicht-kommerzielle, künstlerische oder gemeinnützige Zwecke ab. "Wir sammeln noch die Anfragen", sagt Sprecherin Manuela Damianakis. Jeden Tag meldeten sich Interessenten. Museen, Architekten und Privatpersonen wollten die 290 Kilogramm schweren Doppelglasscheiben weiternutzen. Ursprünglich sollte das Glas auf Deponien entsorgt werden.

Bis Juni lagern die rund 3000 Scheiben noch an der Baustelle der Palastruine. Sie können nicht zerteilt und nur mit einem Kran verladen werden. Anfragen gibt es auch für andere Reste des Palastes, in dem einst die DDR-Volkskammer tagte. So gehen die Granitplatten der Eingangsstufen an ein Jugendprojekt in Berlin-Mitte. Sie sollen für den Bau einer Skaterbahn verwendet werden. Der rostige Stahlrahmen, der einst an der Fassade das DDR-Staatswappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz hielt, geht an das Deutsche Historische Museum in Berlin. Dort wird die gut vier Meter große Halterung wohl erstmal ins Depot wandern, das Emblem selbst ist schon seit 1990 im Haus der Geschichte in Bonn.

Viel Inventar lagert noch in einer ehemals britischen Kaserne in Spandau. Mit Beginn der Asbestsanierung wurde es dorthin verfrachtet. "Ursprünglich sollte von allem zumindest ein Stück aufbewahrt werden, für den Fall des Wiederaufbaus", sagt Uwe Hacker von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Was mit den Stühlen, Teppichstücken und diversen Schildern – unter anderem das "Applaus-Schild" aus der Volksammer – passieren wird, ist immer noch nicht entschieden. "Ein Verkauf wäre jetzt sicher günstig", betont Hacker.

Über das Internetauktionshaus eBay werden Lampen, Schreibblöcke und Teller versteigert. Der 1976 errichtete Palast war 1990 wegen Asbestverseuchung geschlossen worden. Die Abrissarbeiten dauern noch bis Ostern 2007. Derzeit werden unter anderem in die Betonwanne mit den Kellerräumen rund 200000 Tonnen Sand mit Wasser gespült. Dadurch soll das Areal seine Stabilität bewahren, damit der benachbarte Berlin Dom nicht absackt. Schaulustige können die Abrissarbeiten seit Anfang April von einer drei Meter hohen Aussichtsplattform verfolgen.

Von Maren Martell, dpa

Quelle: ntv.de