Dossier

Für die Rückkehr des Mahdi Iran bastelt an der Bombe

Von Ulrich W. Sahm

"Sowie eine Kaskade mit 3.000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in Natanz zuverlässig arbeitet, wird Iran innerhalb eines Jahres 1SQ besitzen." 1SQ (One Significant Quantity), eine signifikante Quantität, das sind im Jargon der Atomexperten etwa 25 Kilo waffenfähiges Uran für den Bau einer ersten kleinen Atombombe. Diese Einschätzung äußerten israelische Experten.

Die Verhandlungen der "Europäischen Drei", Frankreich, Deutschland und England, seien gescheitert, und der Iran habe die Wiener Atombehörde weitgehend ausgeschaltet, heißt es weiter. So dürfen die Inspektoren nicht die Orte aufsuchen, an denen sie Spuren einer Produktion von Elementen des Atomzyklus vermuten. Mit dem Beschluss, sie auszusperren, habe Teheran die Atombehörde "erblinden" lassen, so dass sich heute keine Vorhersagen mehr über die tatsächlichen Fortschritte des iranischen Atomprogramms machen ließen. Gleichwohl befolge Teheran eine "Politik des fait accompli", indem angebliche Fortschritte und Erfolge verkündet werden, damit die Welt den Iran "gleichberechtigt, auf gleicher Augenhöhe" behandle. So auch die Mitteilung, mit 164 Zentrifugen eine Kaskade zur Anreicherung von Uran in Natanz eingerichtet zu haben. Für eine Massenproduktion bedarf es tausender Zentrifugen. Bis Frühjahr 2007 werde Iran 3.000 davon "in Bergstollen, die immun gegen militärische Angriffe sind, in Gang setzen". Derweil hat Präsident Ahmadinidschad schon verkündet, dass es diese 3.000 Zentrifugen jetzt schon gebe. Das war die einzige Andeutung zur Möglichkeit eines Militärschlags, zu dem sich die Experten ausdrücklich nicht äußern wollten.

Forschungsreaktor in Arak

Gemäß Erfahrungen mit Ländern wie Pakistan, Indien oder Nord-Korea könnten Experten abschätzen, wie lange es im Iran dauern werde, bis die ersten 25 Kilo Plutonium in einen Bombenkern gepackt werden könnten. So gerechnet wäre Iran im Jahr 2010 "möglicherweise" im Besitz einer ersten Bombe, 2011 "wahrscheinlich" und 2012 "mit Gewissheit".

Iran arbeite auch an einem Forschungsreaktor mit schwerem Wasser in Arak. Da könne nur Plutonium hergestellt werden. Die Behauptung Irans, die Atomforschung diene allein friedlichen Zwecken, sei allein deshalb eine reine Lüge. Denn das im Iran angereicherte Uran sei für den einzigen existierenden zivilen Atomreaktor Bouscheir unbrauchbar. Bouscheir, von Siemens errichtet und von den Russen fertig gestellt, soll mit Brennstäben betrieben werden, die Moskau liefert und im abgebrannten Zustand wieder dahin zurück gehen. Iran wolle aber den ganzen Atomzyklus selber beherrschen. Das aber sei viel zu aufwendig und teuer, um irgendeinen kommerziellen Wert zu haben, wie Teheran behaupte.

Irans Atomprogramm bereitete Israel schon vor über zehn Jahren große Sorge. Seit jedoch Ahmadinidschad Präsident ist, "geht alles zusehends abwärts". Teheran wolle regionale Hegemonialmacht werden, um die ganze Region, darunter Libanon, Syrien, Palästina und Irak, zu gestalten. Als Reaktion darauf denke schon das sunnitische Lager von Algerien über Libyen und Ägypten bis zu den Golfstaaten über eine atomare Bewaffnung nach.

Muslimischer Messias

Hinzu kommt ein unberechenbares religiöses Element, wie es Ahmadinidschad schon vor der UNO-Vollversammlung verkündet hat. Er glaubt fest an eine Wiederkehr des Al-Mahdi. Dieser muslimische Messias wird am Ende der Tage zusammen mit dem Propheten Jesus, Sohn der Maria, kommen - in einer Zeit, wo alle Gläubigen (des Islam) in allen Ecken der Welt unterdrückt sind. Al-Mahdi und Jesus werden alle Ungläubigen und Unterdrücker im Rahmen apokalyptischer Heiliger Kriege (Dschihad) bekämpfen, um alle Moslems zu vereinen und die ganze Welt unter die Herrschaft des Islam zu stellen. Jesus werde erst alle Kruzifixe ausmerzen und die "falschen Kirchen" säubern, ehe er neben dem Mahdi in Mekka beten wird.

Nach Ansicht der israelischen Analytiker werde der Mahdi gemäß der messianischen Ideologie des Ahmadinidschad triumphal in Teheran einziehen und Bürgermeister der Hauptstadt werden. Er werde dann in der heiligen Stadt Qom seinen Sitz aufschlagen. Tatsächlich werde heute diese Stadt renoviert, für die Ankunft des Mahdi. Während manche meinen, dass man geduldig auf dieses Ende der Tage warten müsse, gebe es auch die von Ahmadinidschad vertretene Schule, die Ankunft des Messias beschleunigen zu können mit dem prophezeiten Krieg und Blutvergießen unter Ungläubigen. An diesem Punkt, so die Meinung der israelischen Experten, spiele wieder das iranische Atomprogramm eine bedenkliche Rolle. Gleichwohl seien diese Thesen im Iran heute (noch) nicht mehrheitsfähig. Im "Basar", also unter den Geschäftsleuten, wie auch in der Ölindustrie, der einträglichsten Einnahmequelle Irans, gebe es Widerstände gegen solche messianischen Vorstellungen und auch gegen die Politik Ahmadinidschads. Sie wollen ihr Land nicht in einer Isolation nach dem Vorbild Nordkoreas sehen.

Quelle: n-tv.de