Politik
Montag, 07. Juli 2008

In Milosevics Spuren: "Kleiner Slobo"

Er war als "Kleiner Slobo" das getreue Abbild des langjährigen serbischen starken Mannes Slobodan Milosevic. Er trug sein Haar wie sein großes Vorbild und ahmte dessen Gestik nach: Ivica Dacic, der nach dem Herztod von Milosevic im UN-Kriegsverbrechertribunal die Parteiführung übernommen hatte, ist aus dem Schatten seines politischen Übervaters getreten. Der ideologisch äußerst wendige 42-Jährige ("Rückgrat aus Gummi") hat die seit dem Milosevic-Sturz im Jahr 2000 geächteten Sozialisten (SPS) wieder an die Schalthebel der Regierungsmacht gebracht.

Der kleine und stets mit Figurproblemen kämpfende Einser-Kandidat hatte schon mit 23 Jahren die Uni im Fach Politik und Journalistik abgeschlossen. Kurz danach trat er in die alles beherrschende SPS von Milosevic ein und legte eine Blitzkarriere hin. Schon 1992 war er deren Propagandachef, noch im gleichen Jahr wurde er Mitglied der engsten Parteiführung. Er überlebte in den nächsten Jahren alle Säuberungswellen, die nach alter Manier die ehemalige Kommunistische Partei überrollten.

Der von Gegnern als "Mini-Napoleon" verspottete Besitzer eines überdimensionierten Geländewagens konnte in den vergangenen Jahren die Milosevic-Hardliner aus der Partei drängen und selbst die Macht bei den Sozialisten übernehmen. Das hinderte ihn aber nicht daran, diese alten Funktionäre bei seinem aktuellen Wechsel in der Regierung wieder einzuspannen. Einige "alte Kämpen" erhalten auf dem SPS- Ticket wichtige Ministerien. Im Gegenzug mussten sie die verunsicherte Parteibasis von diesem "historischen Schwenk" ins Pro- Europa-Lager überzeugen.

Heute tritt Dacic mit trendiger Zeitgeist-Frisur und in Maßanzügen auf. Er verkörpere "die Synthese von Komsomolze und Yuppie" (KP- Jugendfunktionär und kapitalistischer Jung-Aufsteiger), charakterisiert ihn die Zeitung "Danas". Ihm schwebt die Entwicklung seiner Partei in Richtung Sozialdemokratie vor. Folgerichtig bemühte sich die viele Jahre international geächtete SPS in der vergangenen Woche um die Aufnahme in die Sozialistische Internationale.

Um diese spektakuläre Wende möglich zu machen, ohne die Vergangenheit aufzugeben, hält Dacic für seine typischen "Betonwähler" und die "Ewig-Gestrigen" noch Tröstliches parat: "Es ist die Zeit gekommen, dass wir beweisen, dass wir all diese Jahre mit Milosevic im Recht waren", sagte er im Wahlkampf.

Ironie der Geschichte: Dacic wird in der neuen Regierung als Innenminister Chef der Polizei. Dann wird ausgerechnet er als Vertreter des alten Regimes Tausende schwere Kriminalfälle aufklären müssen, mit denen die Mafia und die gekaufte Justiz in den 90er Jahren das Milosevic-Regime gestützt haben.

Quelle: n-tv.de