Dossier

Druck auf Bush & Co Live 8 rund um den Globus

Der unrasierte, ungekämmte und oft raubeinige Ire hat es mal wieder geschafft. 20 Jahre nach dem Erfolg des Live-Aid-Konzerts hat Bob Geldof (50) erneut die Pop- und Rockelite für eine Konzertserie der Superlative zusammengetrommelt. Diesmal heißt das Ganze leicht abgewandelt Live 8. Nach Angaben der Organisatoren werden 85 Prozent der Weltbevölkerung die Möglichkeit haben, das Spektakel über Fernsehen, Radio, Internet oder Handy mitzuverfolgen.

Aus Protest gegen die Armut in Afrika und die Haltung der Industrieländer werden am Samstag (2. Juli) in acht Ländern Konzerte stattfinden. Sie sollen die Regierungschefs der G8-Staaten dazu bewegen, bei ihrem Gipfeltreffen in der darauf folgenden Woche im schottischen Luxushotel Gleneagles eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe und faire Handelsbedingungen für die afrikanischen Staaten zu beschließen.

Schauplatz des größten Konzerts ist der Londoner Hyde Park. Geldof konnte dafür eine Starbesetzung verpflichten: Mit dabei sind unter anderem Coldplay, Madonna, Elton John, Robbie Williams, U2, Pink Floyd und Paul McCartney, aber auch Newcomer wie die Siccor Sistors. Eine Wiedervereinigung der Spice-Girls, wie ursprünglich angekündigt, wird es nach derzeitigem Stand allerdings nicht geben.

Für das Event wurden 150.000 Karten verlost. Weitere 100.000 Fans können das Ereignis voraussichtlich auf Leinwänden verfolgen. Parallell dazu wird in Berlin, Paris, Philadelphia, Rom, Barrie (Kanada), Tokio und Johannesburg gerockt. In Berlin stehen am 2. Juli A-ha, Bap, Brian Wilson, Die Toten Hosen, Lauryn Hill und Peter Maffay vor dem Brandenburger Tor auf der Bühne.

Während Geldof, der frühere Leadsänger der Boomtown Rats, vor 20 Jahren "Give us your fucking money" (Gebt uns euer verdammtes Geld) in die Mikrofone brüllte, um eine Hungersnot in Äthiopien bekämpfen zu können, geht es ihm diesmal darum, den politischen Druck auf die Regierungschefs der führende Industrieländer zu erhöhen. "Dies ist erst der Anfang eines langen Marschs für Gerechtigkeit", sagt er.

Doch schon kurz nachdem Geldof seine Pläne bekannt gegeben hatte, wurden kritische Stimmen laut. So musste er sich den Vorwurf gefallen lassen, afrikanische Musiker zu ignorieren und nur das weiße Establishment zu präsentieren. Andy Kershaw, der Moderator des Live-Aid-Konzerts von 1985, bemängelte im "Guardian": "Geldof sagt, Vergesst Afrika nicht, aber genau das hat er gemacht." Daraufhin verpflichtete Geldof auch farbige Rapper wie Snoop Dogg. Außerdem wurde zusammen mit Peter Gabriel in Cornwall ein alternatives Live-8-Konzert unter dem Titel "Africa Calling" organisiert, bei dem nur afrikanische Künstler auftreten werden.

Manche Kritiker sehen das Live-8-Konzert als Laufsteg für reiche, alternde Rockstars, die einen Tag lang Betroffenheit heucheln, um dann ungeheure Profite durch CD-Verkäufe einzustreichen. John O,Shea, Vorsitzender der internationalen Hilfsorganisation "Goal", sagt: "In Afrika wütetet ein Feuer. Wir brauchen jemanden, der dieses Feuer austritt -und niemanden, der Schokolade verteilt." Geldof hat allerdings auch selbst immer gesagt, dass seine Konzerte nur ein Tropfen auf den heißen Stein seien.

Von Simone Einzmann, dpa

Quelle: ntv.de