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Einziger EC-Sieger der DDR Neues Stadion für 1. FCM

Franz Beckenbauer kommt als Stargast zur Eröffnung, das mittelfristige Ziel ist die Bundesliga: In Magdeburg keimen mit dem neuen Stadion Hoffnungen auf neuen Ruhm. Am Sonntag wird in der Stadt des einzigen DDR-Fußball-Europacupsiegers eine 30-Millionen-Arena eröffnet, in der sogar Länderspiele stattfinden können. Die Regionalliga soll für den Aufsteiger nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach oben sein.

"Mittelfristig ist natürlich die Bundesliga unser Ziel. Wenn wir da angekommen sind, stimmt auch die Größenordnung des Stadions", sagt FCM-Präsident Volker Rehboldt: "Aber in dieser Saison wollen wir erstmal den Klassenerhalt schaffen und uns in der nächsten Saison für die neue dritte Liga qualifizieren." Momentan werden beim Tabellenachten noch kleine Brötchen gebacken. Seit der Insolvenz des Vereins sind erst gut vier Jahre vergangen, die letzten Schulden sollen zum Saisonende abgebaut sein.

Finalsieg gegen AC Mailand

Das 25.000-Zuschauer-Stadion soll den von Ex-Torwart Dirk Heyne gecoachten Verein in neue finanzielle Dimensionen führen. Das Schmuckkästchen entstand in nur eineinhalb Jahren auf den Trümmern des Ernst-Grube-Stadions, in dem der 1. FC Magdeburg in den 70er Jahren seine erfolgreichsten Zeiten erlebte. Dreimal war der Verein von Jürgen Sparwasser Meister (1972, 1974 und 1975), siebenmal Pokalsieger, und 1974 wurde mit dem Triumph im Europapokal der Pokalsieger (2:0 gegen AC Mailand in Rotterdam) der größte Erfolg einer Vereinsmannschaft in der Geschichte der DDR perfekt gemacht.

In dieser Saison verfolgten nur durchschnittlich 3000 Fans die Heimspiele des Traditionsvereins. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hatte einige Widerstände zu überwinden, um den Bau der teuren Arena in der chronisch klammen Kommune mit 230.000 Einwohnern durchzusetzen. Für das umstrittene Vorhaben gründete die Landeshauptstadt ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Essener Hochtief AG. Beide Partner teilten sich die Baukosten der mit Rasenheizung und Videowänden ausgestatteten Arena. Die daraus entstandene Stadion Magdeburg GmbH soll auch den Betrieb und die Vermarktung der noch namenlosen Arena im Zusammenspiel mit dem FCM übernehmen.

Stadion ist die einzige Chance

Eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft muss noch gegründet werden. Geschäftliche Erfolgsmeldungen blieben indes bislang aus. Erst kürzlich platzten Gespräche mit einem Getränkehersteller (Red Bull) über ein millionenschweres Engagement -die Österreicher erwägen stattdessen den Einstieg beim Viertligisten Sachsen Leipzig mit 50 Millionen Euro in zehn Jahren. Trotzdem sieht die FCM-Legende Joachim Streich das Stadion als einzige Chance: "Die Arena ist die Grundvoraussetzung für die Rückkehr in den bezahlten Fußball und tut der ganzen Region gut. Eine Garantie für tollen Fußball ist das Stadion allerdings nicht."

An die Glanzzeiten erinnern die Altmeister des 1. FC Magdeburg mit Europapokalhelden von 1974 wie Sparwasser und Wolfgang Seguin, die am Sonntag das erste Spiel auf dem neuen Rasen gegen ein Altstar-Team des ostdeutschen Fußballs bestreiten. Den Anstoß führt Beckenbauer aus. Die Flutlichtpremiere folgt am 19. Dezember mit dem Freundschaftsspiel des FCM gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig. Ende Januar soll der deutsche Rekordmeister Bayern München zu einem Gastspiel kommen - genau dieser Gegner entspricht den großen Hoffnungen des 1. FC Magdeburg.

Robert Richter, sid

Quelle: ntv.de