Dossier

Nordkoreas Atomtest Nicht nur Asien hat Angst

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Israel befürchtet, Nordkorea werde Waffen und Atom-Technologie an Iran weitergeben. Die israelischen Zeitungen machten alle mit ähnlichen Balkenüberschriften auf. Und das Massenblatt "Jedijot Achronot" bringt es mit einem weiteren Titel auf den Punkt: "Die Welt schweigt zu Nordkorea und Iran zieht daraus die Konsequenzen".

Ministerpräsident Olmert hat für Donnerstag eine Notsitzung mit allen Sicherheits- und Geheimdienstchefs einberufen, um über die Folgen des nordkoreanischen Atomtests für Israel zu beraten. Denn Nordkorea ist seit Jahren nicht nur ein unkontrollierter Quell für Technologietransfer an andere "Schurkenländer" wie Iran und Syrien, sondern auch Hauptlieferant und Produzent von verbesserten Scudraketen, mit denen Atomsprengköpfe etwa von Iran nach Israel getragen werden könnten.

"Iran könnte zu dem Schluss kommen, dass die Welt unfähig ist, ein Land, das wirklich an einer Atombombe interessiert ist, zu stoppen", so "hohe Beamte" in Jerusalem. Nur eine "scharfe Reaktion" gegen Nordkorea könne Iran noch abschrecken. Israelische Beamte sehen nur einen "Lichtpunkt". Der Atomtest von Pjönjang könnte die westlichen Staaten anspornen, jetzt energischer gegen die iranischen Atompläne vorzugehen.

Nordkorea, ein bitterarmer, fast völlig isolierter Staat, habe bewiesen, dass "stille Diplomatie" nicht funktioniere und dass Sanktionen keine echte Wirkung haben. "Im Falle von Iran dürfte am Ende nur ein aggressives Vorgehen, vielleicht sogar nur ein militärischer Eingriff Wirkung zeigen", sagte General a.D. Schmuel Melzer im Rundfunk.

Der Geheimdienstexperte der Zeitung "Haaretz", Jossi Melman, schreibt in seinem Kommentar vom Alptraum einer "explosiven Welt im Schatten von Atompilzen" und der Gefahr, dass Atomwaffen am Ende auch in die Hände von Terrororganisationen geraten könnten. Acht Jahre nachdem Pakistan und Indien die Welt mit ihren Tests überrascht hätten, habe Nordkorea jetzt "auf die Welt gepfiffen", Beschlüsse des Weltsicherheitsrats und Sanktionen ignoriert. Angesichts einer zersplitterten Welt ohne Beschlusskraft, könnte auch Teheran jetzt dem internationalen Druck widerstehen. Melman zweifelt, ob die USA gegen Iran militärisch vorzugehen würden, um einem Zusammenbruch des Atomsperrvertrags zuvorzukommen. Gegner eines Militärschlags dürften fragen, warum die USA nicht präventiv gegen Nordkorea vorgegangen seien.

Der politische Korrespondent Aluf Ben schreibt in einem Kommentar, dass Nordkorea mit seinen Scudraketen den schlimmsten Feinden Israels, darunter Syrien und Iran, geholfen habe, eine "strategische Militärmacht" gegen Israel aufzubauen. Israel wisse zwar nichts Konkretes über einen Transfer atomarer Technologie von Nordkorea an diese Länder. Doch israelische Experten äußerten sich besorgt über eine nordkoreanische Erklärung der vorigen Woche, wonach Pjönjang "nicht zögern würde, Technologie, Rohmaterial und sogar Atomwaffen an andere Länder zu geben". Manche Beamte, so Ben, glauben jetzt eher Verbündete für Sanktionen gegen Iran finden zu können, darunter auch Japan, das bisher dagegen war. Ronen Bergmann in der Zeitung "Jedijot" berichtet von einem Treffen mit "ganz hohen Geheimdienstleuten" in Tel Aviv. Die hätten schon vor einigen Tagen vor dem bevorstehenden Atomtest gewarnt. Da wurde von einer "existenziellen Gefahr für Israel" gesprochen. Denn "das Reaktions-Arsenal der Welt gegenüber Iran ist leerer denn je".

Quelle: n-tv.de