Dossier

NATO-Luftschläge gegen Jugoslawien Opfer und Schäden

Der erste militärische Einsatz der NATO vor zehn Jahren gegen das damalige Jugoslawien hat zu beträchtlichen menschlichen und materiellen Verlusten geführt. Das Bündnis wollte mit Luftschlägen gegen "militärische Ziele" weitere "schwere und systematische" Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern, hieß es in der Fernsehansprache des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder am 24. März 1999.

Die erste und unmittelbare Folge der Luftangriffe war aber die Verschlechterung der Lage für die Menschen nicht nur im Kosovo, sondern auch in Serbien und Montenegro. Serbische Truppen intensivierten zunächst die Vertreibungen der albanischen Zivilisten, so dass ihre Zahl nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz auf 800.000 anstieg.

Zuflucht bei den Nachbarn

Die meisten fanden Zuflucht im benachbarten Mazedonien und Albanien. Nach Ende der Kriegshandlungen und dem Rückzug der serbischen Armee und Polizei im Juni, kehrten 860.000 Albaner nach Angaben des UN-Flüchtlingswerk UNHCR ins Kosovo zurück. Gleichzeitig flüchteten über 230.000 Serben, Roma und andere Nicht-Albaner aus Angst vor albanischem Terror nach Serbien. Nur etwa 10.000 von ihnen seien inzwischen zurückgekehrt, so das UNHCR.

Während der Auseinandersetzungen zwischen albanischen Rebellen und den serbischen Sicherheitskräften wurden im Kosovo zwischen 8000 und 10.000 Albaner getötet, 3500 gelten als vermisst. Die Zahl der getöteten Serben, Roma und "albanischen Verräter" wird auf 2500, die der Vermissten auf 1300 geschätzt. Die angesehene Belgrader Nichtregierungsorganisation Stiftung für humanitäres Recht (FHP) hat auf Grundlage der Angaben von Familienangehörigen eine Liste mit rund 13.750 Namen der 1999 im Kosovo getöteter Menschen aufgestellt. Auf dem Höhepunkt der Bombardierungen hatte es aus NATO-Quellen geheißen, dass serbische Einheiten für das "wahllose" Töten von bis zu 100.000 Albanern verantwortlich seien.

Noch immer zahlreiche Vermisste

Nach Rot-Kreuz-Angaben gelten auch zehn Jahre nach dem Krieg noch knapp 2000 Menschen als vermisst. Im Juni 1999 betrug diese Zahl 6000. 946 Albaner konnten lebend in serbischen Gefängnissen gefunden und befreit werden. Nach offiziellen serbischen Angaben starben während der NATO-Luftschläge rund 1000 Soldaten und Polizisten, sowie 2500 Zivilisten. Etwa 10.000 Menschen wurden verletzt.

Während der 79 Tage dauernden Luftangriffe wurden zahlreiche Industrieanlagen, Brücken, Flughäfen, aber auch zivile Ziele wie Schulen, Krankenhäuser und Wohnsiedlungen zerstört. Die Höhe des materiellen Schadens wurde zwischen 30 und 100 Milliarden Dollar geschätzt. Auch die Nachbarstaaten bekamen wirtschaftliche und finanzielle Folgen des Krieges zu spüren, weil die Donau-Schifffahrt und die wichtigen Straßen- und Verkehrsverbindungen durch Jugoslawien unterbrochen waren.

Eine Belgrader Klage gegen die NATO-Staaten wegen der "Aggression" wurde 2004 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag abgelehnt. Das Gericht sei in diesem Fall nicht zuständig, hieß es im Urteil. Auch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe wies 2006 die Klage von 35 Klägern auf Schadensersatz für die Opfer eines NATO-Luftangriffs auf die Stadt Varvarin ab, bei dem zehn Menschen ums Leben gekommen waren. Das Kriegsvölkerrecht erkenne nur Schadenersatzansprüche zwischen Staaten an, hieß es in der Entscheidung.

Quelle: ntv.de, Dubravko Kolendic, dpa