Dossier

Nobelpreis-Rede Pinter fordert Prozess gegen Bush und Blair

Der diesjährige Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter hat in seiner Rede zur Preisverleihung gefordert, US-Präsident Bush und den britischen Premier Blair vor den Internationalen Strafgerichtshof zu stellen. Das sei angesichts hunderttausender Toter "nur gerecht", sagte der krebskranke Künstler in einer Videobotschaft.

"Erbärmliches Großbritannien"

Der Dramatiker warf Washington vor, nach dem Zweiten Weltkrieg "jede rechte Militärdiktatur" unterstützt zu haben. Das "erbärmliche Großbritannien" sei dem gefolgt wie "ein blökendes Lämmchen". "Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig", so Pinter.

"Bösartige Wucherung"

Allerdings sei Bush "clever" gewesen und habe das internationale Gericht – anders als Blair - gar nicht erst anerkannt. Für beide sei aber der Tod "eine Lappalie" – etwa der der 100.000 Iraker, die durch amerikanische Bomben und Raketen umgekommen seien, bevor der irakische Aufstand begonnen habe.

Immer wieder zerstörten die USA souveräne Staaten mittels Korruption und verdeckter Gewalt. Man infiziere "das Herz des Landes", setze "eine bösartige Wucherung" in Gang und sehe zu, wie "der Faulbrand" erblühe: "Ist die Bevölkerung unterjocht worden oder totgeprügelt - es läuft auf dasselbe hinaus - und sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen Kapitalgesellschaften bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera und sagt, die Demokratie habe sich behauptet".

"brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos"

"Die Invasion des Irak war ein Banditenakt, ein Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung des Prinzips von internationalem Recht demonstrierte", so Pinter weiter. Auch hier setzten die USA "brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos" ihre Interessen durch.

Aller "kollossalen Widrigkeiten zum Trotz" falle allen Bürgern die Pflicht zu, unerschrocken, unbeirrbar und entschlossen "die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen". Sonst könnte man nicht mehr hoffen, "das wiederherzustellen, was wir schon fast verloren haben – die Würde des Menschen".

Pinter wurde der Nobelpreis im Oktober zuerkannt, da er "in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz" freilege und "in den geschlossenen Raum der Unterdrückung" einbreche, so das zuständige Komitee. In der "bibliografischen Notiz" der Akademie heißt es, seit 1973 habe sich der Autor und Regisseur auch "als Vorkämpfer der Menschenrechte ausgezeichnet".

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.