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Er ist das Volk "Prinzen"-Sänger für Gauck

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"Zeichen gelebter Demokratie": Sebastian Krumbiegel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Gauck oder Wulff? Über diese Frage entscheiden nicht nur die Politiker, sondern auch handverlesene Prominente. Einer von ihnen ist "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel, der sein Mandat für die Bundesversammlung von SPD und Grünen erhielt. n-tv.de sprach mit ihm darüber, warum für ihn nur Joachim Gauck die richtige Wahl sein kann.

n-tv.de: Herr Krumbiegel, Sie sind einer der prominenten Wahlmänner bei der Wahl des Bundespräsidenten. SPD und Grüne in Sachsen haben sie nominiert. Fühlen Sie sich geehrt?

Sebastian Krumbiegel: Ja, natürlich fühle ich mich in gewisser Weise geehrt. Aber das klingt immer so salbungsvoll. In erster Linie begreife ich das als ein Zeichen von gelebter Demokratie. Wir sind vor 20 Jahren im Osten auf die Straße gegangen und haben für demokratische Grundrechte gekämpft. Diese Grundrechte können wir jetzt wahrnehmen.

Tatsächlich sind Sie bereits zum zweiten Mal Wahlmann der SPD – schon 2009 haben die Sozialdemokraten Sie in die Bundesversammlung entsandt. Wie kommt das? Sind Sie Parteimitglied?

Nein, bin ich nicht. Wie genau es dazu kommt, müssen Sie die sächsische SPD und die sächsischen Grünen fragen. Das mit dem Promistatus jedenfalls sehe ich nicht so eng. Die Idee ist doch einfach die, dass nicht nur Politiker diese Wahl bestreiten, sondern eben auch "normale" Bürger. Das ist umso wichtiger, als viele Menschen gerade das Gefühl haben, dass die Wahl des Bundespräsidenten am Volk vorbeigeht. Deswegen freue ich mich, dass ich als Nicht-Parteimitglied ins Rennen geschickt werde.

Für viele am Volk vorbei ging auch der Grund, der die Wahl jetzt überhaupt erst nötig gemacht hat. Ich spreche vom Rücktritt Horst Köhlers. Haben Sie das verstanden?

Nein, und ich glaube, viele Menschen haben sich gefragt, warum jemand, der in dieses Amt gewählt worden ist, nach so kurzer Zeit das Handtuch wirft. Köhlers Afghanistan-Äußerung, dass wir als Deutsche unsere Wirtschaftsinteressen notfalls auch mit kriegerischen Mitteln durchsetzen sollten, hat mich schon sehr befremdet. Aber ich würde da jetzt auch nicht mit Dreck werfen wollen. Die genauen Hintergründe des Rücktritts kenne ich nicht, also steht mir auch kein Urteil zu.

Nun läuft eigentlich alles auf die Frage hinaus: Gauck oder Wulff? Sehen Sie darin auch eine Schicksalswahl für Schwarz-Gelb?

Nein, eigentlich nicht. Ich denke, es geht hier weniger um die Frage nach Parteipolitik als um die Frage nach Vertrauen in die Politik allgemein. Und darum, dass die Menschen gerne wieder jemanden hätten, dem sie als Bürgerpräsidenten vertrauen können.

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Über Christian Wulff will Sebastian Krumbiegel "nichts Negatives" sagen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Und das können Sie bei Herrn Gauck eher als bei Herrn Wulff?

Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Herrn Wulff und möchte auch nichts Negatives über ihn sagen. Er hat sich in Niedersachsen sicher auch progressiv gezeigt. Dass er etwa die erste Muslima zur Ministerin gemacht hat, finde ich durchaus positiv. Trotzdem glaube ich, dass Joachim Gauck ein Mann ist, der viel mehr die Sympathien und das Vertrauen der Bevölkerung hat.

Auf ihrer Homepage schreiben Sie: "Gauck ist ein wirklich beeindruckender Mann". Was macht ihn so beeindruckend?

Seine Geschichte und sein Quereinsteigertum in die Politik. Er ist eben kein reiner "Parteimensch". Klar, gehe ich auch nicht mit allen seinen Inhalten konform. Ich habe mit ihm zum Beispiel länger über seine Äußerungen zu Afghanistan oder sozialen Themen in Deutschland diskutiert. Aber auch wenn ich mit ihm nicht hundertprozentig übereinstimme, sind die Schnittmengen zwischen ihm und mir sehr groß.

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Aber Joachim Gauck ist für ihn der "richtigere" Kandidat.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ihre Stimme ist ihm also sicher?

Ja, denn ich denke auf jeden Fall, dass er der "richtigere" Kandidat ist. Ich sehe das vor allem unter dem Aspekt, von wem sich die Leute besser vertreten fühlen würden. Sehen Sie: Ich werde noch vor der Wahl ein Buch mit 10.000 Unterschriften für Gauck bekommen, das ich ihm übergeben soll. Allein in den vergangenen Tagen habe ich über 1.000 Mails von sächsischen Bürgern erhalten, in denen die Wahlmänner und Wahlfrauen aufgefordert werden, nach ihrem Gewissen zu entscheiden und parteitaktische Kalküle außer acht zu lassen.

Wie sehen Sie denn dann die Chancen für Gauck?

Ich weiß nicht, wie es ausgeht. Keiner weiß, wie es ausgeht. Natürlich können wir alle rechnen und wissen, dass es doch recht unwahrscheinlich ist, dass er gewählt wird. Aber das wäre dann eben eine Entscheidung, die meiner Ansicht nach dem Volk nicht gefallen würde.

Mit Sebastian Krumbiegel sprach Volker Probst

Quelle: n-tv.de

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