Politik
Samstag, 17. Februar 2007

Steinerne Brücke in Regensburg: Rettung für Wahrzeichen

Im Mittelalter wurde die Steinerne Brücke als Weltwunder angesehen, und bis heute ist das mehr als 300 Meter lange Bauwerk über die Donau neben dem Dom das herausragende Wahrzeichen Regensburgs. Doch die 860 Jahre alte Brücke ist wegen des Straßenverkehrs und auf Grund von Streusalz schwer beschädigt, durch die Fundamente ziehen sich fingerdicke Risse. Nun soll Ende 2009 nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit einer Sanierung begonnen werden.

In dem Projekt steckt kommunalpolitischer Sprengstoff. Denn spätestens mit Baubeginn wird die "Steinerne" auch für die Busse gesperrt, die bislang noch darüber fahren. Wie der historische Ortsteil Stadtamhof dann erreicht werden soll, ist bislang völlig unklar. Die Errichtung einer Ersatzbrücke für den Nahverkehr ist umstritten. Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) will nicht ausschließen, dass die Pläne angesichts zahlreicher Kritiker mit einem Bürgerbegehren durchkreuzt werden.

Die berühmte Donaubrücke ist seit zehn Jahren für den allgemeinen Autoverkehr gesperrt, nur die Stadtbusse sowie Taxis dürfen das Bauwerk noch nutzen. Die tonnenschweren Busse setzen den Fundamenten der Brücke zu, schließlich hatten die Baumeister Anfang des 12. Jahrhunderts allenfalls mit Pferdefuhrwerken gerechnet. Mehrfach musste die Stadt zu Notmaßnahmen greifen, um einen Einsturz von Teilen des Wahrzeichens zu verhindern. Seit 2005 wird das Bauwerk rund um die Uhr von der Landesgewerbeanstalt in Nürnberg mit Hilfe von Sensoren fernüberwacht. Sollte es zu dramatischen Bewegungen des Mauerwerks kommen, könnte die Stadt die Brücke sofort schließen.

Bereits seit 2002 wird die Sanierung der Steinbrücke geplant. Zwei Bögen sind schon musterhaft renoviert worden, um Erfahrungen zu sammeln. Im Umkreis von 25 Kilometern um Regensburg wurde nach fünf mittelalterlichen Steinbrüchen gesucht, die einst das Baumaterial lieferten. Möglicherweise sollen sie für die Sanierung wieder in Betrieb genommen werden. Wenn alles glatt läuft, könnte 2014 die "Steinerne" in altem und neuem Glanz erstrahlen.

Die Kosten für das Projekt können bislang nur geschätzt werden. Bayerns Generalkonservator Egon Greipl rechnet mit 10 bis 15 Millionen Euro, die Stadt selbst geht sogar von bis zu 20 Millionen Euro aus. Laut Greipl wird die Kommune nur etwa ein Drittel davon selbst tragen müssen. Da es sich um ein "Denkmal von europäischem Rang" handelt, werde der größere Teil der Kosten vom Freistaat, Stiftungen sowie vom Bund übernommen.

Doch zunächst bereitet die Umleitung der Buslinien für Regensburgs Norden der Verwaltung Kopfzerbrechen. Manche wollen, dass nach der Sanierung wieder wie eh und je Busse über die Brücke fahren. Davon hält Schaidinger allerdings nichts: "Ich kann doch hinterher das, was jetzt das Problem ist, nicht wieder als Problem haben." Möglicherweise sollen deshalb zwei Ersatzbrücken gebaut werden - erst eine provisorische und dann eine dauerhafte. Die Alternative dazu wäre, die Busse über weiter entfernte Brücken umzuleiten. Die Bürger müssten dann längere Fahrzeiten in Kauf nehmen.

Bayerns Chef-Denkmalpfleger Greipl kennt als ehemaliger Regensburger Kulturreferent die Probleme bestens. Er fordert seit Jahren eine rasche Sanierung der Steinernen Brücke und will auch möglichst schnell die Busse weg haben. "Jeder Tag, den die Busse nicht drüber fahren, ist ein guter Tag", meinte er.

Von Ulf Vogler, dpa

Quelle: n-tv.de