Dossier

Bobby-Car-Rennen Riesengaudi für Erwachsene

Männer in Leder-Kombis, ausgerüstet mit Helm und Gelenkschonern, düsen mit bis zu einhundert Stundenkilometern serpentinenähnliche Abfahrten hinunter - nicht auf einem Motorrad, sondern auf einem Spielzeugauto. Franken steht in diesem Jahr im Zeichen des Bobby-Cars, einer modernen Version des Seifenkistenwagens.

Obwohl die Kunststoffautos für Kinder gebaut sind, setzen sich zunehmend auch Erwachsene auf die Gefährte und fahren um die Wette. Am 14. und 15. Juli werden in Markt Einersheim die Bayerischen Meisterschaften im Bobby-Car-Fahren ausgetragen - für Jung und Alt. Wer hier und bei den anderen landesweiten Wettkämpfen viele Punkte sammelt, kann am 22. September in Fürth um den Titel des Deutschen Meisters mitfahren.

Gestartet wird laut Bobby-Car-Club Deutschland in verschiedenen Altersstufen. In der Kinderklasse treten Drei- bis Sechsjährige, Sieben- bis Neunjährige und 10- bis 13-Jährige gegeneinander an. Hier ist nur das originale Bobby-Car des Fürther Herstellers BIG zugelassen, dass vor mehr als 30 Jahren auf den Markt gebracht wurde. Im Alter von 14 bis 17 Jahren starten die Fahrer in der Jugendklasse oder in der Amateurklasse. Die Profis müssen mindestens 18 Jahre alt sein.

Der Coburger Raimond Oppel führt seit Jahren die Weltrangliste der Profis an. Aus einer Weinlaune heraus startete der 34-Jährige vor mehr als sieben Jahren seine Bobby-Car-Karriere. "Wir haben damals rumgeblödelt, und Ende 2000 habe ich schon an meiner ersten Meisterschaft teilgenommen", erinnert sich der Rechtspfleger. Da der originale Rennwagen nicht auf die Bedürfnisse von Erwachsenen abgestimmt sei, habe er kurzerhand zum Schraubenschlüssel gegriffen und den "Boliden" getunt. Spezialreifen mit Alufelgen und ein besonderes Kugellager machen das Fahrzeug renntauglich für die rasanten Abfahrten. "Jeder reizt das Reglement aus, um am schnellsten zu sein", sagt Oppel.

Doch das Tuning, "zum Teil mit Materialien aus der Raumfahrt", habe seine Grenzen. Den Club-Vorschriften gemäß muss der fahrbare Untersatz vier Räder haben und darf nicht schwerer als 40 Kilogramm sein. Auch eine Hupe ist vorgeschrieben. Zur Sicherheit müssen die Fahrer bei den anspruchsvollen Strecken mit teilweise 180-Grad-Kurven Helm und Schutzkleidung tragen.

Gut eine Stunde in der Woche investiert der Weltmeister in seinen Wagen. Während ein normales Bobby-Car im Handel rund 30 Euro koste, hat der Renner von Oppel einen Wert von etwa 300 Euro. "Es gibt aber auch welche für 3000 Euro", sagt der gebürtige Erlanger. "Das sind schon Formel-1-Dimensionen im Kleinen."

Bei den deutschlandweiten Veranstaltungen kann jeder mitmachen, unabhängig von seinem Körpergewicht, sagt der Vizepräsident des Bobby-Car-Clubs, Falk Denke. "Aber die Fahrer sollten sich zur besseren Aerodynamik auf das Bobby-Car legen können." Eine Altersbeschränkung gebe es nicht. Auch 50-Jährige seien schon dabei gewesen.

Seit zwölf Jahren fahren die Hobby-Piloten um die Wette. Höchstens 64 Konkurrenten gehen bei den volksfestähnlichen Wettbewerben an den Start. Den Seigern winken Preisgelder und Pokale. Obwohl der überwiegende Teil der Fahrer männlich sei, dürfen auch Frauen auf die Kult-Autos steigen. "Mit Prellungen und blauen Flecken muss aber gerechnet werden", warnt Denke. Denn gebremst wird auf den abschüssigen Strecken ausschließlich mit den Füßen. Und selbst der Weltmeister habe sich schon so manche Abschürfung zugezogen.

(Angelika Röpcke, dpa)

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen