Dossier

Krieg der Worte Säbelrasseln in Südamerika

Venezuelas Staatschef Chávez warnte bereits vor Monaten, es zögen "Kriegswinde" in Südamerika auf. Die Windstärke hat jetzt deutlich zugenommen.

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Die Beziehungen zwischen Venezuela und Kolumbien sind wegen eines Plans zum Ausbau der US-Militärpräsenz in Kolumbien angespannt.

(Foto: REUTERS)

Es ist wohl eine Art selbsterfüllende Prophezeiung. Venezuelas linksgerichteter Staatschef Hugo Chávez warnte vor Monaten, es zögen "Kriegswinde" in Südamerika auf. Seit er vorige Woche Armee und Bevölkerung in Venezuela aufrief, sich auf einen Krieg mit Kolumbien vorzubereiten, hat die Windstärke deutlich zugenommen. Dabei sieht er Venezuela nicht als Aggressor, sondern als Angriffsziel der USA und Kolumbien, die einen "teuflischen Pakt" geschlossen hätten.

Die Regierungen der beiden südamerikanischen Nachbarländer eint seit Jahren eine innige Abneigung, obwohl beide Staaten wirtschaftlich aufs Engste miteinander verbunden sind. Chávez geißelt seinen Kontrahenten in Bogotá, den konservativen Präsidenten Álvaro Uribe, als "Mafioso", "Verräter" und "Lügner", der Kolumbien zur Kolonie des "Yankee-Imperiums" degradiert habe. Am 22. November legte er noch einmal nach und meinte, das Nachbarland sei nun sogar schon von den USA "besetzt".

Streitkräfte in Alarmbereitschaft

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Venezuelas linksgerichteter Staatschef Chavez erhebt massive Vorwürfe gegen die USA und Kolumbien .

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Dabei prangert er vor allem das jüngste Militärabkommen zwischen Bogotá und Washington an, das den USA die Entsendung von 800 Militärs und 600 Zivilisten auf sieben kolumbianische Armee-Stützpunkte erlaubt und das auch in anderen Ländern Südamerikas für Unmut sorgte. Die Basen in Kolumbien ersetzen einen Stützpunkt, den die USA kürzlich in Ecuador räumen mussten.

Chávez orderte 15.000 Soldaten zur Verstärkung an die 2200 Kilometer lange, kaum kontrollierbare venezolanisch-kolumbianische Grenze. Eine "Berliner Mauer" zwischen den beiden Ländern wolle er jedoch nicht errichten. Öl ins Feuer goss das venezolanische Militär, das vorige Woche am Grenzfluss Táchira im Westen Venezuelas zwei kleine Fußgängerbrücken nach Kolumbien in die Luft sprengte. Was Chávez lapidar als "Routine" bezeichnete, um Drogenbanden und rechten Paramilitärs aus Kolumbien illegale Wege zu versperren, wertete Bogotá als internationalen Rechtsbruch.

Krieg der Worte ohne direkte Gespräche

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Kolumbiens Präsident Uribe schloss militärische Vergeltungsmassnahmen nach der Sprengung zweier Grenzbrücken durch venezolanische Soldaten aus.

(Foto: AP)

Direkte Gespräche zwischen Chávez und Uribe gibt es nicht, und auch die anfänglichen anerkennenden Worte aus Caracas für den neuen US-Präsidenten Barack Obama sind längst einer neuen, allerdings aus den Zeiten von US-Präsident George W. Bush altbekannten Tonlage gewichen. "Die USA bereiten einen Krieg in Lateinamerika und gegen Venezuela vor und benutzen Kolumbien als Plattform. Kolumbien hat heute keine (eigene) Regierung. Die sitzt in Washington", wetterte Chávez, der auch aus diesem Grund ein von Brasilien ins Spiel gebrachtes direktes Treffen mit Uribe ausschlug.

Viele Beobachter werten die Verbalattacken und die von Chávez zitierten "Kriegswinde" allerdings als einen weiteren rhetorischen "Sturm im Wasserglas", der eher innenpolitischen Zielen der beiden Streithähne dient. Kolumbiens oppositioneller früherer Präsident Ernesto Samper (1994-1998) sagte stellvertretend für viele, der Krieg der Worte komme beiden Staatschefs ganz gelegen.

Es geht um Macht

Chávez nutze das Schreckgespenst des äußeren Feindes, um die eigenen Reihen vor den Parlamentswahlen im kommenden Jahr zu schließen. Zunächst war dem verbalen Haudegen Chávez durch Obamas Charme-Initiative fast der Feind abhandengekommen. Das Militärabkommen habe ihn aus dieser misslichen Lage befreit. Zudem sei es offensichtlich, dass die Stationierung der US-Truppen in Kolumbien kaum der Bekämpfung der Drogenkriminalität und der Gummistiefelrebellen im Busch diene. Es gehe wohl eher um die Überwachung der ganzen Region.

Aber auch Uribe sei ein Staatschef, der nicht ohne Feindbild regieren könne. Die marxistischen FARC-Rebellen habe er inzwischen so sehr geschwächt, dass das venezolanische Kriegsgerede vor der Präsidentenwahl gerade recht komme. Eventuell könne der Konflikt mit Chávez sogar helfen, das gesetzliche Verbot einer weiteren Wiederwahl Uribes zu überwinden, meinte Samper.

Quelle: n-tv.de, Helmut Reuter und Jan-Uwe Ronneburger, dpa

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