Dossier

Hintergrund Sterbehilfe

In Deutschland ist aktive Sterbehilfe (Euthanasie) verboten. Der deutsche Paragraf 216 droht bei "Tötung auf Verlangen" mit bis zu fünf Jahren Haft. Nur wer bei Patienten "in unmittelbarer Todesnähe" lebensverlängernde Maßnahmen unterlässt, also etwa die Beatmungsmaschine abstellt, kann im Fall der so genannten indirekten Sterbehilfe straffrei bleiben. Gegner der Euthanasie verweisen stets auf die Nazi-Zeit, als "unwertes Leben" vernichtet wurde.

In den USA wurde im Bundesstaat Oregon 1998 der Freitod mit Arzthilfe unter bestimmten Voraussetzungen legalisiert. Danach müssen Todkranke mit dem Wunsch zu sterben zwei Ärzte konsultieren und eine Bedenkzeit beachten. In der ersten Amtszeit von Präsident George W. Bush gab es mehrere vergebliche Vorstöße des Justizministeriums, der Sterbehilfe in dem Bundesstaat einen Riegel vorzuschieben.

In den neunziger Jahren löste der Fall des Arztes Dr. Jack Kevorkian ("Dr. Tod") aus Michigan, der nach eigenen Angaben mehr als 130 unheilbar Kranken beim Selbstmord geholfen hat, in den USA heftige Debatten aus. Michigan verbot die Sterbehilfe Ende 1998. Kevorkian wurde 1999 wegen Totschlags zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er einem unheilbar Kranken eine tödliche Injektion gegeben hatte.

In den Niederlanden dürfen nach einem im April 2001 verabschiedeten Gesetz seit Januar diesen Jahres Ärzte auf Wunsch von Kranken aktiv Sterbehilfe leisten, wenn ihre Patienten unerträglich leiden und keine Aussicht auf Heilung mehr besteht. Die Ärzte müssen zuvor die Meinung eines Kollegen einholen und jeden Fall einem Ausschuss melden. Nur wenn dieses Gremium - ein Arzt, ein Jurist und ein Experte für ethische Fragen - Zweifel am korrekten Vorgehen des Arztes hat, wird die Justiz eingeschaltet.

In der Schweiz besorgen Hilfsorganisationen Sterbewilligen und unheilbar Kranken über ein ärztliches Attest Gift, das diese dann selbst einnehmen. Verabreicht werden darf es nicht. Denn erlaubt ist lediglich die Hilfe zum Selbstmord, nicht aber aktive Sterbehilfe. Allerdings muss in der Schweiz als einzigem Land dazu nicht unbedingt ein Arzt eingeschaltet werden, sofern nicht rezeptpflichtige Mittel benötigt werden.

In Australien hatte der Senat 1997 ein seit 1996 geltendes Gesetz zur Regelung der aktiven Sterbehilfe in den Northern Territories aufgehoben. Die Niederlande sind zur Zeit noch das einzige Land der Welt, das aktive Sterbehilfe erlaubt. In einigen Ländern ist dagegen die Beihilfe zum Freitod erlaubt.

Quelle: n-tv.de