Dossier

"TRT-6, be xer be" Türkei erhält kurdischen Sender

Mit einem gezielten Tabubruch hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Start eines kurdischen Kanals im türkischen Staatsrundfunk eingeläutet. "Be xer be" - gutes Gelingen - wünschte Erdogan dem Sender TRT-6 in der lange verbotenen kurdischen Sprache. Seit dem Neujahrsabend sendet der Kanal für die mindestens 14 Millionen Kurden in der Türkei Filme, Musikshows und Nachrichtenprogramme. Er soll auch eine Konkurrenz zu dem aus Dänemark ausgestrahlten kurdischen Sender Roj-TV sein, um dessen Schließung sich die Türkei vergeblich bemüht hat.

Auf die türkische Nationalhymne und Flagge folgten zur Eröffnung von TRT-6 kurdische Lieder. Als einen Familiensender, der die Bürger zusammenbringen soll, bezeichnete TRT-Generaldirektor Ibrahim Sahin den neuen Sender. TRT-6 sei ein wichtiger Beitrag zur Demokratie, sagte Regierungschef Erdogan. Er könne den Weg für weitere Schritte freimachen. Türkische Zeitungen berichteten, an zwei Universitäten in Istanbul und Ankara liefen Vorbereitungen, um dort künftig kurdische Sprache und Literatur zu lehren.

TRT hat sich gegen das neue Programm zunächst heftig gesträubt. Bevor 2004 auf Initiative Erdogans islamisch-konservativer Regierungspartei AKP in einem ersten Schritt eine halbstündige Sendung in kurdischer Sprache eingeführt werden konnte, legte das Staatsfernsehen Klage beim höchsten türkischen Verwaltungsgericht ein. Der Auftrag war nach Ansicht des Senders nicht mit der türkischen Verfassung und der Selbstverwaltung des Senders vereinbar.

Kurdisch erst seit 1991 erlaubt

Noch im Jahr 2002 hatte die Türkei mit Härte auf Forderungen nach Unterricht auf Kurdisch an zahlreichen Schulen und Universitäten reagiert. Im April 1991 hatte das Parlament ein Verbot der kurdischen Sprache aufgehoben. Damit durften die Kurden zwar ihre Muttersprache wieder sprechen, doch blieb ihr Gebrauch im politischen Leben eingeschränkt.

Kurdenvertreter reagieren skeptisch auf das neue Fernsehangebot. Als ein politisches Manöver, das vor der im März geplanten Kommunalwahl Stimmung für Erdogans AKP mache solle, hat die pro- kurdische Partei DTP den Kanal TRT-6 bezeichnet. Die DTP will einen Gesetzentwurf vorlegen, der den Gebrauch der Buchstaben Q, W und X als Teil des kurdischen Alphabets in offiziellen Briefen erlaubt.

Mit dem neuen Sender wolle sich die Türkei als EU-tauglich präsentieren, meint die Istanbuler Rechtsanwältin und Menschenrechtlerin Eren Keskin, die sich vor allem für die Rechte von kurdischen Frauen einsetzt. Sie fordert weitergehende Reformen, um den Gebrauch der kurdischen Sprache auch in Gefängnissen oder bei der Namenswahl für Kinder freizugeben. "Sie machen das nur wegen der EU", sagte Keskin. "Ich will damit aber nicht sagen, dass es unwichtig ist. Lange Zeit haben sie die Existenz einer kurdischen Sprache sogar bestritten."

Quelle: n-tv.de, Carsten Hoffmann, dpa

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