Dossier

Präsident gegen Ex-Armeechef Wahlen in Sri Lanka

Amtsinhaber Rajapakse und Ex-Armeechef Fonseka streben die Präsidentschaft in Sri Lanka an. Beide beanspruchen für sich, den Tamilenkonflikt beendet zu haben.

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Präsident Mahinda Rajapakse und ...

(Foto: REUTERS)

Auf den ersten Blick schien die Strategie des sri-lankischen Präsidenten Mahinda Rajapakse ein kluger Schachzug zu sein. Nach dem militärischen Sieg über die Tamilen-Rebellen ließ er sich als verantwortlich für den Erfolg feiern - und zog die Präsidentschaftswahl um rund zwei Jahre auf diesen Dienstag vor, um sich auf der Welle des Triumphs eine zweite sechsjährige Amtszeit zu sichern. Doch der Opposition gelang es, Ex-Armeechef Sarath Fonseka gegen den Amtsinhaber aufzustellen. Auch Fonseka wirbt damit, den fast 36 Jahre andauernden Krieg gegen die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) gewonnen zu haben.

Das Ende des Krieges wurde vor allem von der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit gefeiert - die rund 70 Prozent der etwa 20 Millionen Sri Lanker stellt und nun zwischen den beiden Kandidaten gespalten ist. Ausschlaggebend könnten nun die Stimmen besonders der tamilischen Minderheit werden, die den Krieg weitaus kritischer betrachtete. In der letzten Phase der Gefechte starben tausende tamilische Zivilisten. Etliche andere Tamilen flohen vor der Gewalt und wurden monatelang in Internierungslager gesteckt, die die Regierung euphemistisch "Wohlfahrtscamps" nannte.

Tamilen wählen eher Fonseka

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Ex-Armeechef Sarath Fonseka treten in Sri Lanka gegeneinander an.

(Foto: REUTERS)

Auch international war die Regierung in Colombo in der Endphase des Krieges in die Kritik geraten. Zwar wurde beiden Konfliktparteien mangelnde Rücksichtnahme auf Zivilisten vorgeworfen. Während die LTTE aber unter anderem in der EU als Terrororganisation gilt, wurden an die demokratisch gewählte Regierung Rajapakse bei der Achtung von Menschenrechten andere Maßstäbe angelegt. Eine politische Lösung des ethnischen Konflikts ist entgegen aller Versprechungen Rajapakses bis heute nicht in Sicht.

Nach Ansicht von Beobachtern dürften die tamilischen Stimmen eher Fonseka zu Gute kommen, der unter anderem von der einst LTTE-nahen Tamilischen Nationalallianz (TNA) unterstützt wird. Ein tamilischer Geschäftsmann namens Sivasothy Kanagaraja auf der nördlichen Halbinsel Jaffna sagt: "General Fonseka mag die Operationen am Boden ausgeführt haben, aber die Entscheidung, diesen Krieg zu führen, war eine politische Entscheidung. Daher ist es Präsident Rajapakse, der über den Krieg entschieden hat." Bereits bei der Präsidentschaftswahl Ende 2005 dürften die Tamilen-Stimmen entscheidend gewesen sein. Die Ironie der Geschichte wollte es, dass die LTTE damals ihre eigene militärische Niederlage heraufbeschwor.

2005: Aufruf zum Wahlboykott

Der Hardliner Rajapakse setzte sich 2005 mit nur 180.000 Stimmen Vorsprung gegen Ex-Premierminister Ranil Wickremesinghe durch, der sich für eine politische Lösung des Konflikts stark machte. Die LTTE hatte im letzten Moment zum Wahlboykott aufgerufen, sie dürfte damit den knappen Sieg Rajapakses ermöglicht haben. Als die Gewalt eskalierte und der Waffenstillstand zerbrach, befahl Rajapakse eine massive Militäroffensive gegen die Separatisten. Im Mai vergangenen Jahres schließlich töteten Regierungstruppen LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran. Die LTTE war zerschlagen, der Krieg beendet.

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Die Vorbereitungen für die Wahl laufen auf Hochtouren.

(Foto: dpa)

Rajapakse schob Fonseka nach dem Triumph auf einen weitgehend zeremoniellen Posten ab - was sich der Armeechef nun nicht mehr bieten lassen wollte. Er verließ die Truppe und forderte den Präsidenten politisch heraus. Rajapakses Popularität hat auch unter Vorwürfen der Korruption und des Machtmissbrauchs gelitten, drei seiner Brüder mischen in der Politik des Inselstaats mit. Der 64- jährige Regierungschef wirbt nun damit, die Entwicklung der Wirtschaft, die schwer unter dem Konflikt gelitten hat, vorantreiben zu wollen. "Meine zweite Amtszeit wird darauf abzielen, das Land zu entwickeln", sagt er. "Da ich den Krieg gewonnen habe, bin ich sicher, dass ich auch den wirtschaftlichen Krieg gewinnen werde."

Fonseka ist politisch unerfahren

Fonseka, der 2006 einen LTTE-Selbstmordanschlag schwer verletzt überlebte, räumt zwar freimütig ein, dass er politisch unerfahren ist. Von seinem Feldzug gegen den Amtsinhaber hält das den Ex-General aber nicht ab. "Mein Ziel ist es", sagt Fonseka, "Korruption und Vetternwirtschaft der Rajapakse-Familie zu beenden".

Quelle: n-tv.de, Anthony David und Can Merey, dpa

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