Dossier

Einsparungen in Aussicht Wohin geht der Gesundheitsetat?

Die Beiträge der Pflichtkrankenversicherten steigen an. Das ist eine ganz natürliche Reaktion auf die Überalterung der Gesellschaft in der Bundesrepublik und auf die angestiegene Arbeitslosigkeit. Hinzu kommt, dass die Bundeszuschüsse immer weiter gekürzt werden. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben sich hingegen nicht wesentlich erhöht, obwohl immer wieder von einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen gesprochen wird. Die Gelder der GKV haben sich in den letzten Jahren aber verlagert: Die Arzneimittelversorgung kam den Versicherungen beispielsweise in den letzten Jahren immer teurer zu stehen. Dadurch musste in anderen Bereichen, wie bei den Zuschüssen für Brillen, eingespart werden.

Die GKV haben im Jahr 2005 laut einer Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit insgesamt 143,61 Milliarden Euro ausgegeben. Der größte Anteil davon kommt den Krankenhäusern zugute. Etwas über 49 Milliarden Euro von dem Etat flossen in die Kliniken. "Alleine die Krankenhauskosten machen, wenn man das Gesamtbudget anguckt, was an Ausgaben aufläuft, ungefähr nach der letzten aktuellen Statistik vom BMG (Bundesministerium für Gesundheit) 34,12 Prozent aus", erklärt Ann Hörath, Pressesprecherin der BKK, gegenüber n-tv.de. An zweiter Position stehen die Kosten für die Arzneimittel aus den Apotheken. Sie beliefen sich im vergangenen Jahr auf 23,65 Milliarden Euro. Damit belaufen sich die Ausgaben auf 16,47 Prozent des Gesamthaushalts der GKV.

Klinik- und Arzneikosten steigen am stärksten an

Die beiden Komponenten sind nicht nur die kostenintensivsten, für die die GKV aufkommen. Die Ausgaben für Kliniken und Arzneimittel steigen außerdem am stärksten an. 1998 gaben die Pflichtversicherungen 43,6 Milliarden Euro für Krankenhausbehandlungen aus, bis 2005 stieg dieser Wert um etwas mehr als 12 Prozent an. Daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern können: "Das Krankenhaus wird immer ein teurer Posten bleiben. Das wäre Augenwischerei, da zu sagen, das können wir sehr, sehr stark reduzieren", sagt Hörath weiter. Gründe für diesen Kostenaufwand sind der fortwährende medizinisch-technische Fortschritt, der neue Geräte, Präparate und Verfahren in die Krankenhäuser bringt. Um also eine immer bessere Behandlungsqualität zu sichern, werden die Gelder benötigt. "Jetzt müssen wir bloß gucken, wie wir das bei hochwertiger Qualität versuchen können, an der einen oder anderen Stelle etwas zu senken". An den Kosten für die Kliniken lässt sich also nicht viel ändern.

Anders sieht es da bei den Arzneimittelausgaben aus. Diese stiegen ebenfalls enorm an. Vor acht Jahren bezahlten die GKV 17,7 Milliarden Euro. Die Kosten wuchsen bis zum vergangenen Jahr um fast 34 Prozent.

Die Gründe für diese Steigerung liegen auf der Hand. Die Ärzte hatten bisher die Möglichkeit, entweder ein konkretes, auf die verschiedenen Beschwerden des Patienten, abgestimmtes Präparat zu verschreiben. Leidet ein Patient aber nur an einer Erkrankung, wie beispielsweise Kopfschmerzen, konnte der Mediziner auch nur den Wirkstoff auf das auszustellende Rezept schreiben. Wenn die zweite Variante vorlag, konnten die Apotheker bislang Nutzen daraus für sich ziehen. Meistens stehen verschiedene Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff zur Auswahl. Manche davon sind Markenprodukte oder Scheininnovationen, auf denen ein Patentschutz liegt. Diese sind besonders teuer, allerdings haben Apotheker mit den Herstellern dieser Produkte häufig Verträge und erhalten Apothekenrabatte.

Nachahmer-Medikamente können Ausgaben senken

"Wir haben sehr viele Medikamente, die einen gleichwertigen Wirkstoff haben, die aber keine Originalpräparate mehr sind, sondern Nachahmer und demzufolge auch sehr viel preiswerter produziert und auch abgegeben werden können. Bislang hatten wir ein System, was an vielen Stellen Möglichkeiten bot, um das System auszuhebeln", berichtet Hörath gegenüber n-tv.de. Mit dem neuen Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) wird dieser Lücke, die laut BKK im vergangenen Jahr etwa 800 Millionen Euro Zusatzkosten verursacht hat, ein Ende gemacht.

Das bringt Ärzte und Apotheker auf die Barrikaden. Roland Stahl von der kassenärztlichen Bundesvereinigung sagte einmal bei n-tv: " Es ist immer mehr eine Geiz-Ist-Geil-Mentalität, die hier in den Praxen einziehen soll". Weil die Mediziner nun nur noch günstige Medikamente verschreiben dürfen, könnte also die Behandlung der Patienten gefährdet werden. Die Apotheker sehen hingegen ihre Arbeitsplätze in Gefahr. Einer Axicorp-Pharma-Umfrage zufolge halten 61 Prozent der Pharmazeuten einen Personalabbau, verursacht durch das neue Gesetz, für wahrscheinlich. Befragt wurden bundesweit 286 Apotheker.

Zuschüsse für Brillen und Rentner-Fahrtkosten sinken

Aufgrund der erhöhten Ausgaben mussten die GKV natürlich in anderen Bereichen einsparen. Die Zuschüsse für Brillen haben beispielsweise abgenommen: "Die Zuzahlungen sind doch erheblich gesenkt worden. Man kriegt immer noch etwas, aber man muss ganz klar sagen, es gab eine Einschränkung", sagt Hörath. Auch bei den Fahrtkosten für Rentner wird eingespart "Da wird jetzt auch nicht mehr jede Fahrt bezahlt, wie es früher noch üblich war, wenn man zum Arzt geht".

Die Kosten für das Krankengeld sind zwar auch zurückgegangen, das hat allerdings natürliche Ursachen. Nach Angaben der BKK haben die Krankheitstage der Arbeitnehmer in den letzten Jahren abgenommen.

Im Endeffekt gibt es also wirklich Möglichkeiten, um die Ausgaben der GKV zu senken, damit die Beitragssätze der Versicherten verringert werden können. Einen Ansatz bietet das AVWG. Schlägt das Gesetz an und sorgen auch andere Maßnahmen für Senkungen der Gesundheitskosten, bleibt schließlich noch die Frage, ob Gesundheitsministerin Ulla Schmidt dafür sorgt, dass die Beiträge vermindert werden. Vielleicht werden die Überschusse auch dafür genutzt, um die Bundeszuschüsse im Gesundheitswesen abzubauen.

von Julia Giering

Quelle: ntv.de