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Zwischenruf Atommacht Iran? Wie weiter?

Bald wird es mit Teheran wohl eine weitere Atommacht geben. Die Karten im Nahen und Mittleren Osten werden dann neu gemischt. Das Fazit: "If you can’t beat them, join them".

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Ahmadinedschad beim Besuch einer Anlgae zur Urananreicherung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als um 250 in China das Schießpulver aufkam, soll es Versuche gegeben haben, das Teufelszeug zu vergraben, um dessen Ausbreitung zu verhindern. Legende oder wahr, das todbringende Körnermehl hat in der ganzen Welt über die Jahrhunderte Schrecken verbreitet und Verwüstung angerichtet. Trotz aller Versuche der USA, ihr Atomwaffenmonopol aufrechtzuerhalten, gibt es heute acht weitere Nuklearstaaten. Zeitweilig gehörte auch das Rassistenregime in Südafrika dazu. Und bald wird es mit dem Iran wohl einen neunten geben. Wenn Teheran nicht schon Atommacht ist.

Paradoxerweise waren es die Vereinigten Staaten, die während des Schah-Regimes den Grundstein für das iranische Atomprogramm legten. Auch bundesdeutsche Konzerne mischten fleißig mit. Der Zeitpunkt, den Aufstieg der Islamischen Republik zur Atommacht zu verhindern, ist verpasst. Wenn es denn nach der so genannten Revolution von 1979 überhaupt möglich gewesen wäre. Ein Nelson Mandela, der das unselige Erbe der Apartheid vernichtet, ist im Iran nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Ein militärischer Angriff auf das Land, wie jüngst wieder von US-Senator Joe Lieberman ins Spiel gebracht, würde verheerende Folgen für die Region, ja für die ganze Welt haben. Ein Militärschlag, auch von Seiten Israels, wird jedoch in dem Maße immer unwahrscheinlicher, in dem klarer wird, dass der Iran nukleare Vernichtungsmittel besitzt oder in einem überschaubaren Zeitraum darüber verfügen wird. Die Invasion im Irak wurde ja gerade deshalb möglich, weil die USA wussten, dass der Diktator in Bagdad keine Massenvernichtungsmittel (mehr) besaß.

Planer handelten kurzsichtig

Der Iran ist dabei, zur neuen Regionalmacht im Nahen und Mittleren Osten zu werden, die sich auf einen mehrheitlich schiitischen Irak und weitere Staaten stützen kann. Dazu hat die Bush-Administration mit ihrer Irak-Strategie ein gerüttelt Maß beigetragen. Die Kurzsichtigkeit der Planer in Washington muss unvorstellbar weit fortgeschritten gewesen sein.

Der Aufstieg des schiitischen Iran zur nuklearen Regionalmacht wird das sunnitische Saudi-Arabien auf den Plan rufen, dem ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung der "islamischen Atombombe" Pakistans nachgesagt wird. Israel wird seine nuklearen Fähigkeiten ausbauen.

"If you can’t beat them, join them"

Der Westen ebenso wie China und Russland müssen sich darauf einstellen, dass im Nahen und Mittleren Osten die Karten neu gemischt werden. Wahrscheinlich kommt es zu einer neuen Runde des Wettrüstens. Mit militärischen Mittel ist da nichts mehr zu erreichen. Dem Realpolitiker Sir Winston Churchill wird der Spruch zugeschrieben, "if you can’t beat them, join them". Darauf wird es wohl oder über hinauslaufen.

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Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: ntv.de

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