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Zwischenruf Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Der Kalte Krieg ist zwar lange vorbei, aber wenn die Vorwürfe stimmen, dann versucht Russland auch heute noch, in den USA an geheime Informationen zu gelangen.

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Das FBI hat das russische Agentennetz mehrere Jahre beobachtet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist nicht anzunehmen, dass die US-amerikanische Spionageabwehr das mutmaßliche russische Agentennetz erst nach Abreise von Präsident Dimitri Medwedew entdeckt hat. Wäre die Verhaftung der Zehn vor Beginn des Treffens mit dessen Amtskollegen Barack Obama in Washington erfolgt, so wäre der Gipfel geplatzt. Obama soll über den Zeitpunkt trotzdem "not amused" gewesen sein. Doch die Fluchtgefahr wäre mit jedem Tag gewachsen, argumentierte das FBI. Ein erster Verdächtiger ist zwar auf Zypern gefasst und gegen Kaution umgehend wieder freigelassen worden, er darf die Insel aber bis auf Weiteres nicht verlassen.

Drei Tage betrug die Schonfrist für das Bild der Hamburger verzehrenden und Coca Cola trinkenden Kumpel. Die Festgenommenen waren offensichtlich schon seit Beginn der neunziger Jahre aktiv, dürften also zumindest zum Teil vom aufgelösten KGB übernommen worden sein. Damals war die Asche des Kalten Krieges dabei kalt zu werden. Dass die Agenten auch während der Anarchieherrschaft von Wodkazar Boris Jelzin nicht "abgeschaltet" wurden, zeigt, dass es stets eine Art Parallelmacht gab, die parallel zu Jelzins Schmusekurs gegenüber dem Westen die objektiven Machtinteressen des neuen Russland zu wahren suchte.

Karawane zieht weiter

Die jetzt erfolgte Verhaftung soll dem Kreml signalisieren: Es ist nicht alles Gold, was glänzt in unseren Beziehungen. Das neue Vertragswerk über die Begrenzung der strategischen Rüstungen wird wohl noch manche Klippe umschiffen müssen, die Errichtung der Raketenabwehrschirme in Rumänien und Bulgarien … die Gemüter noch einmal erhitzen, das Expansionsstreben beider Seiten in Zentralasien … noch zu Konfrontationen führen, die Haltung gegenüber dem Iran … noch einigen Dissens verursachen. Die Liste ist unvollständig.

Die Gegner Obamas in den USA werden nun über den Präsidenten herfallen. Mit Argumenten, die ebenso abgedroschen wie falsch sind: Der "Sozialist" verkaufe "god’s own country" an Moskau, mit Russland könne man eben nicht zusammenarbeiten. In der Moskauer Lubjanka, die neben dem Inlandsgeheimdienst FSB auch den die Auslandsspionage SWR beherbergt, werden sicher ein paar Köpfe rollen.

Unterm Strich zieht die Karawane weiter, die Hunde werden nicht aufhören zu bellen. Mal lauter, mal leiser, und einander auch mal beißen. Wie das zwischen Kreml und Weißem Haus üblich ist.

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Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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