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"Lose-Lose Situation" Iran rückt in den Fokus

von Hommy Dara

"Eigentlich", sagte der amerikanische Buchautor und Regisseur Michael Moore einmal, "tut mir der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il ein wenig Leid! Während unsere Regierung im Irak verzweifelt nach Massenvernichtungswaffen sucht, schreien die Nordkoreaner verzweifelt 'Wir haben sie!' - und keiner nimmt es zur Kenntnis."

Das hat sich jetzt geändert. Mit Entsetzen und bitterer Ernüchterung hat die Welt am Montagmorgen zugeschaut, wie der Bush-Administration in Nordost-Asien ins Gesicht gespuckt wurde, als Nordkorea einen Atomwaffentest durchführte. Damit ist die "Achse des Bösen" auf nur noch ein militärisch angreifbares Land zusammengeschmolzen - nämlich den Iran.

Für Teheran hat dieser Atomtest viel weiterreichende Konsequenzen als für das ohnehin weitgehend isolierte Nordkorea. Denn nach dieser Blamage für Washington werden jetzt voraussichtlich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, dass die Mullahs im Iran eben nicht an Nuklearwaffen kommen.

Doch das dürfte gar nicht so einfach sein. Harte Sanktionen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad mit der Kündigung des Atomwaffensperrvertrages beantwortet werden. Teheran könnte den Schwarzen Peter dann immer der Weltgemeinschaft in die Schuhe schieben und ganz offiziell an der begehrten Waffe basteln.

Wird nichts unternommen, wächst täglich die Gefahr, dass die Mullahs letztlich doch an die Atombombe kommen. Freunde der Statistik nennen so etwas eine "Lose-Lose Situation". Doch der letzte Punkt ist fast der Wichtigste: Durch das Debakel im Irak - einst quasi der Vorsitzende im exklusiven Club der "Achse des Bösen" - bezweifeln Militärexperten, dass die USA überhaupt militärisch in der Lage sind, die nuklearen Ambitionen des Iran zu unterbinden. Die Option, die Atomanlagen durch Luftschläge zu zerstören, gilt als zu unsicher. Denn die angeblichen Geheimlabors sind über das ganze Land verstreut. Eine Besetzung schließen sogar Berufsoptimisten aus. Der Iran ist rund vier Mal größer als der Irak.

Quelle: n-tv.de