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Im Dienste der Wahrheit Pressefreiheit geht uns alle an

Dass Informationen heutzutage so schnell und einfach verfügbar sind wie nie zuvor, wiegt viele in trügerischer Sicherheit. Zu glauben, jeder könne alles, was er wissen wolle, selbst im Netz herausfinden, ist ein Irrtum.

Der 3. Mai ist ein Feiertag. Der Internationale Tag der Pressefreiheit ist der eigentliche Tag der Arbeit für Journalisten. Ein Tag, der uns anspornen muss, unsere Arbeit immer wieder kritisch zu hinterfragen. Unermüdlich in uns zu gehen und zu prüfen, ob wir wirklich genug tun. Und die Antwort sollte immer "nein" sein. Man muss in Deutschland keine heroischen Taten vollbringen, um für die Pressefreiheit zu kämpfen – zum Glück! Aber gerade deshalb dürfen wir nie lockerlassen.

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Sonja Schwetje ist seit 2014 Chefredakteurin des Fernsehsenders n-tv

Wenn ich unsere angehenden Volontäre im Vorstellungsgespräch frage, was sie antreibt, diesen Beruf zu wählen, gehört die Verteidigung der Pressefreiheit selten zu den ersten Antworten. Klar, in anderen Ländern riskieren Journalistinnen und Journalisten ihr Leben, um ihrem Publikum Zugang zu Informationen zu geben, den sie sonst nicht hätten. Unter größten persönlichen Opfern decken sie Missstände auf und riskieren dabei ihre Sicherheit, ihre Karriere oder gar ihr Leben. Angesichts dessen muss man sich manchmal fast schämen, wie komfortabel es sich als Journalist in Deutschland leben lässt, wo Freiheit und Meinungsäußerung geschätzte und geschützte Werte sind. Aber genau darin liegt die Gefahr: träge zu werden, nachlässig in der permanenten Wachsamkeit, bequem in der Ausübung unserer ureigenen Aufgabe. Nämlich gerade das herauszufinden, was nicht leicht zu erfahren ist  - von Behörden, Pressestellen oder Menschen, deren Geschichten wir erzählen wollen.

Dass Informationen heutzutage so schnell und einfach verfügbar sind wie nie zuvor, wiegt viele in trügerischer Sicherheit. Zu glauben, jeder könne alles, was er wissen wolle, selbst im Netz herausfinden, ist ein Irrtum. Denn die Masse macht es nicht. Sondern die Güte der Informationen. Alles, was leicht zu finden ist, sollte uns misstrauisch machen. Je einfacher eine Information zugänglich ist, desto kritischer müssen wir sie hinterfragen, gegenprüfen und die Motive dahinter auskundschaften.

Und hier ist der Kampf um die Pressefreiheit plötzlich ganz nah an unserem journalistischen Alltag: wenn erfahrene Pressesprecher den jungen Volontär für dumm verkaufen wollen. Wenn Behörden wissentlich oder unwissentlich ihre Auskunftspflicht missachten. Wenn Redakteure Stunde um Stunde hingehalten werden, weil die Ansprechpartner genau wissen, wann Redaktionsschluss ist. Wenn Interviewer auch nach hartnäckigstem Bohren mit leeren Phrasen abgespeist werden. Wenn Reporter bei Demonstrationen zur Zielscheibe von Aggression werden. Dann erfordert es viel Rückgrat, Rückendeckung und vor allem eine gute Ausbildung, um für die Pressefreiheit zu kämpfen.

In den Bewerbungsgesprächen sind das die spannendsten Momente – wenn den angehenden Volontären klar wird, dass sie selbst als Berufsanfänger einen Unterschied machen können. Sie müssen keine Heldentaten vollbringen und auch nicht ihr Leben aufs Spiel setzen. Aber sie müssen beharrlich, skeptisch und mutig sein. Denn Freiheit bringt die untrennbare Verantwortung mit sich, sie auch zu nutzen. Im Sinne und Auftrag unserer Zuschauer, Leser oder Nutzer. Und daher ist der Tag der Pressefreiheit nicht nur für Journalisten, sondern für alle Menschen im wahrsten Sinne ein Feiertag.

Quelle: n-tv.de

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