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Althaus' unverhoffte Wiederkehr "Bizarr: Er will wieder mitspielen"

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Was geht in Dieter Althaus vor?

(Foto: dpa)

Über das Verhalten des "unberechenbaren politischen Sonderlings" kann man sich nur wundern. Denn über die "eigene Demontage" hinausgehend schadet er mit dieser "Realsatire" vor allem seiner Partei und der demokratischen Kultur.

Für die Dithmarsche Landeszeitung steht außer Frage, dass Althaus große Verdienste um die Union in Thüringen erworben hat. Er werde ja auch nicht "wie eine heiße Kartoffel" fallen gelassen, sondern vielmehr hätten "sein verwirrendes Verhalten und seine unerklärlichen Alleingänge auch bei seinem Rücktritt vor fünf Tagen dazu beigetragen, dass zumindest Teile der Partei jetzt auf Abstand gehen". Ihnen habe er zu viel zugemutet, meint das Blatt aus Heide und sieht die Thüringer CDU unter Zugzwang, die nun den Mut haben müsse, "Farbe zu bekennen" und mit Althaus Klartext zu reden. "Sonst handelt sie sich den Makel der Uneinigkeit ein. Zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl kann sie sich das nicht leisten."

Für die Magdeburger Volksstimme mutet die Althaus-Rückkehr sehr merkwürdig an: "Mit seiner unverhofften Wiederkehr hat Thüringens zurückgetretener Ministerpräsident Althaus gezeigt, dass es ein kleiner Schritt vom ernstzunehmenden Politiker zum unberechenbaren politischen Sonderling ist. Als hätte der deftige Stimmenverlust bei der Landtagswahl nicht schon gereicht, wirft der Landesvater seinen christdemokratischen Parteifreuden so heftig Knüppel zwischen die Beine, dass diese schwer ins Straucheln kommen." Gerade habe sich die CDU von der Alleinherrschaft in Richtung einer schwarz-roten Koalitionszukunft bewegt, doch nun sei die SPD-Frage berechtigt, wer denn die CDU in Thüringen führe. "Das Damenduo Birgit Diezel/Christine Lieberknecht oder im Hintergrund das Stehaufmännchen Althaus? Die stabilen Verhältnisse, auf die die Christdemokraten im Freistaat so stolz waren, sind jedenfalls vorerst dahin."

"Dieter Althaus hat sich also erklärt: Wahl verloren, Konsequenzen gezogen und von allen Ämtern zurückgetreten, dann doch nicht ganz, aus 'Verantwortungsgefühl' zurückgekehrt. Nun will er wieder mitspielen: zunächst bis zur Neubildung der Regierung wieder als Ministerpräsident. Einfach bizarr", resümiert die Kölnische Rundschau. Viel könne man nun darüber spekulieren, ob die Gründe für diese "Realsatire" in seiner Persönlichkeit oder in den eventuell doch nicht ganz überstandenen Unfallfolgen zu suchen seien. Doch das Blatt hält es für wahrscheinlicher, "dass hinter den Kulissen ein knallharter Machtkampf verschiedener Seilschaften in der Landes-CDU stattfindet, die um den Kurs ringen". Fest stehe jedoch: "Althaus schadet mit seinem lächerlichen Verhalten der demokratischen Kultur, seiner Partei und vor allem einmal mehr sich selbst."

"Wer bei dem späten Rücktritt von Dieter Althaus nach der schweren Wahlschlappe gedacht hat, es geht nicht mehr schlimmer, wurde eines Besseren belehrt", schüttelt die Landeszeitung aus Lüneburg den Kopf. "Ich schäme mich für ihn", zitiert sie eine Frau, "die einer unwirklichen Pressekonferenz eines entrückten Althaus beiwohnen durfte". "Es wirkt, als würde Althaus seine eigene Demontage zelebrieren. Vor allem aber demonstriert er eindrucksvoll, welche tiefen Spuren politische Macht hinterlassen kann. Wenn Althaus sich nur selbst schaden würde, könnte das Thema schnell abgehakt werden. Doch er schwächt seine Partei mitten in den Koalitionsverhandlungen, denen er nicht im Wege stehen wollte." Außerdem bestärke er mit seinem Verhalten "kurz vor der Bundestagswahl viele Bürger in ihrer Abneigung gegen 'die da oben', die 'von da oben' herab regieren".

Für den Mannheimer Morgen spielt Althaus "den politischen Wiedergänger, der zwar das Recht auf seiner Seite weiß, aber die Realität völlig ausblendet" und zudem ein Verhalten an den Tag lege, "das Fische zu kommunikativen Wesen werden ließe". Das Blatt kommt zu dem gleichen Fazit wie die anderen Zeitungen: "Weder tritt ein Ministerpräsident so von seinem Staatsamt ab noch tritt er so wieder auf. Damit beschädigt Althaus weiter sein Ansehen, das schon durch den Umgang mit dem Skiunfall vom Neujahrstag gelitten hat. Und er erschwert seiner Partei den Neuanfang, weil sie erklären muss, was sich nicht erklären lässt."

Quelle: ntv.de, Zusammengestellt von Nadin Härtwig

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