Pressestimmen

Lötzsch und der Kommunismus "Endlich gerne wieder Täter sein"

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(Foto: dpa)

Nicht nur aus anderen Parteien erntet Gesine Lötzsch für ihre Kommunismus-Sehnsucht Schelte. Auch die Presse zeigt sich kritisch, dass die Linke-Chefin vom Kommunismus ohne Verweis auf seine zahllosen Opfer spricht. Die kommunistische Plattform der Partei ist längst kein Ein-Prozent-Phänomen mehr.

Für die Märkische Allgemeine verbiete es sich, den Kommunismus-Begriff zu benutzen "ohne historische Einordnung und Verweis auf die zahllosen Opfer in seinem Namen". Daher mache es die Sache auch nicht besser, "dass Lötzsch im Nachhinein argumentiert, sie habe mit dem Text auch jene erreichen wollen, denen die Linke zu angepasst sei". Insgesamt wirke die Linke-Chefin für das Blatt aus Potsdam "wenig glaubwürdig", denn im Bundestag sei sie "staatstragend", und auf der Luxemburg-Konferenz verhalte sie sich dann "radikal"? Lötzsch Äußerungen seien zudem nicht gerade förderlich für die Linken im Osten, "die überwiegend pragmatisch orientiert sind und wie in Brandenburg auch gerne mitregieren (…). Sie sollen sich auf den Weg zum Kommunismus machen, hat ihnen ihre Vorsitzende ins Stammbuch geschrieben. Da können sie in der nächsten Kabinettssitzung gleich anfangen."

Der General-Anzeiger bewertet die kommunistische Plattform nicht als ein "Ein-Prozent-Phänomen, das irgendwo am Rand der Linken steht". Es nütze auch nichts, "wenn Lötzsch nun gespielt naiv beteuert, sie werde dort kein Mitglied". Die Kommunisten seien ein grundlegender Teil der Linke und behaupten sich immer mehr gegen die sogenannten Reformer. "Wenn es dabei bleibt, dass sich die Bundesvorsitzende zum Kommunismus bekennen darf, und es dann keinen nennenswerten Widerspruch aus den eigenen Reihen gibt, dann zeigt sich, dass die Linkspartei insgesamt bereits so etwas wie eine große kommunistische Plattform ist."

Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine vergleicht die Ex-Terroristin Inge Viett mit der Linken-Chefin Gesine Lötzsch. "Die Gemeinsamkeit" mache den "Vorgang bemerkenswert". "Beide Frauen, die am Samstag in Berlin auftreten wollen, eint das gemeinsame Ziel. Ihr Kommunismus liegt weit in der Vergangenheit, hinter einem riesigen Berg von Toten, Unfreiheit, Misswirtschaft und Zynismus. Hier liegt im Übrigen der wesentliche Unterschied zwischen SPD und Linken. Die einen gehörten zu den Opfern. Die anderen würden endlich gerne wieder Täter sein."

"Eigentlich ist es so überflüssig wie ein Pulli mit drei Ärmeln, sich noch ernsthaft mit dem Thema Kommunismus zu befassen" meint die Saarbrücker Zeitung. "Dass diese Ideologie nur als menschenfeindlicher Mechanismus funktioniert, weiß mittlerweile jedes Kind. Bloß Fidel Castro und Nordkoreas Klim-Bim-Regime halten noch die Fahne hoch, aber nicht, weil sie überzeugt sind, sondern um ihre Macht zu zementieren. Und was vom chinesischen Kommunismus übrig geblieben ist, ist allenfalls die systemtypische Skrupellosigkeit der Nomenklatura. Lötzsch tut ihrer Partei jedenfalls keinen Gefallen mit idealistischen Hirngespinsten, die lediglich den politischen Gegner munitionieren." Das Blatt legt den Finger in die Wunde: Da auch Lötzschs Co-Chef Klaus Ernst kein Staat zu machen sei, "dürfte der mit Oskar Lafontaine erreichte Aufschwung der Linkspartei bald wieder in sich zusammensacken".

Quelle: ntv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger