Pressestimmen

Rücktrittsforderungen an Sauerland "Er ist nicht der Sündenbock"

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Den Rückhalt in der Bevölkerung Duisburgs hat Sauerland längst verloren

(Foto: dpa)

n-tv.de bewertet Sauerlands Verhalten als dürftig und geradezu peinlich. Andere Presseorgane bringen mehr Verständnis für den Duisburger Oberbürgermeister auf. Warum soll denn nur er Konsequenzen aus der Loveparade-Tragödie ziehen? Nur weil er der einzig öffentlich Greifbare ist, wird Sauerland zum Sündenbock gemacht.

Abseits der später zu klärenden strafrechtlichen Schuldfrage, so die Westfälischen Nachrichten, setze die Loveparade-Tragödie dem Duisburger Oberbürgermeister persönlich zu, "auch darum ist er nicht der Sündenbock". Aber Sauerland sei "die zentrale politische Figur in diesem durch offensichtliche Fehlplanung verursachten Drama". Er wolle nicht für immer mit 21 Toten in Verbindung gebracht werden. Doch er habe nun selbst dafür gesorgt. "Bleibt zu hoffen, dass er den Duisburgern die Qual der Abwahl erspart und schnell abtritt. Aus Respekt vor den Opfern."

Die Süddeutsche Zeitung hält dagegen: "Es ist schon richtig, dass man von Sauerland nicht erwarten kann, dass er seine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis beantragt und alle seine Ansprüche auf Pension verwirkt. Das würde niemand von denen machen, die es nun so eifrig einfordern." Solch eine Strafe müsse die Justiz verhängen, meint das Blatt. Daher wolle sich Sauerland jetzt einem Abwahlverfahren stellen, das wohl vor Ende des Sommers nicht beginne. Doch bis dahin werde er sich nicht in seinem Amt halten können, "er kann ja nicht einmal ohne Personenschutz durch die Stadt gehen. Er sollte tun, was er schon längst hätte tun sollen: Sein Amt ruhen lassen bis zur Abwahl."

Auch die Rhein-Neckar-Zeitung stuft die Rücktrittsforderungen an Sauerland, der sich keiner persönlichen Schuld bewusst sei, ebenfalls als ungerecht ein. Von ihm werde verlangt, auf seine Pensionsansprüche zu verzichten. "Weshalb ausgerechnet er? Wieso nur er?", fragt das Blatt und bietet eine Antwort an: "Weil er zurzeit der Einzige unter den mutmaßlichen Verantwortlichen der Loveparade-Tragödie ist, dessen die Öffentlichkeit habhaft werden kann."

Die Kritik an Sauerland sei berechtigt, so die Stuttgarter Zeitung. Denn habe der Duisburger Oberbürgermeister das Loveparade-Projekt angetrieben und Sicherheitsbedenken kaum beachtet. "Doch der unglücklich agierende Sauerland ist in den vergangenen Tagen auch zum alleinigen Sündenbock gemacht worden, hinter dem sich andere glauben verstecken zu können." Das Blatt erinnert daran, dass Sauerland nicht der einzige gewesen sei, "der die Loveparade unbedingt im Ruhrgebiet haben wollte. Vieles spricht dafür, dass er auch nicht der einzige war, der Fehler gemacht hat. Ermittlungsergebnisse legen jedenfalls nahe, dass es auch bei der Polizei Pannen und Fehlentscheidungen gegeben hat. Es ist noch etliches aufzuklären in Duisburg."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger

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