Pressestimmen

Die Kirche und der Missbrauch Gesellschaftliche Debatte ist nötig

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(Foto: dpa)

Die Missbrauchsfälle verdeutlichen für n-tv.de, dass sich die katholische Kirche dringend mit dem Thema Sexualität beschäftigen muss. Doch für Offenheit und Aufklärung muss nicht nur die Institution Kirche sorgen, urteilt die Presse. Es braucht externe Aufklärer und eine gesellschaftliche Debatte.

"Die Missbrauchsfälle an deutschen Jesuiten-Schulen erinnern auf den ersten Blick an das Bild der drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen", konstatiert die Leipziger Volkszeitung. Aber immerhin sei das "Schweigekartell" endlich gebrochen. "Selbst katholische Bischöfe sehen das Dilemma, dass die streng obrigkeitsgeprägte Kirchenhierarchie die geforderte Offenheit beim Umgang mit sexuellem Missbrauch eher erschwert." Mit dem Finger jedoch allein auf die katholische Kirche zu zeigen, sei zu einfach, so das Blatt weiter. "Undifferenzierte Schuldzuweisungen gegen die Institution Kirche blenden aus, dass Kirche nicht isoliert im Orbit schwebt, sondern weltlichen Einflüssen ausgesetzt ist. Wer ernsthaft Ursachen für pädophile Auswüchse einer maßlosen sexuellen Freizügigkeit klären will, der kommt um eine unbequeme gesellschaftliche Debatte nicht herum."

Die vom Orden beauftragte Anwältin Ursula Raue habe ermittelt, dass viele Fälle den Vorgesetzten der Täter bekannt gewesen seien, schreiben die Nürnberger Nachrichten. Doch "sie haben geschwiegen und sind nicht etwa auf die Opfer zugegangen - und das als Geistliche, die Seelsorger sein wollen. Und außerdem als Mitglieder einer Kirche, die für sich in Anspruch nimmt, den Unterschied zwischen Gut und Böse zu kennen." Das sie für die Glaubwürdigkeit der Kirche ein "schwerer Schlag".

Auch die Frankfurter Rundschau erinnert an Rollen: "In der Hälfte aller Bistümer fungieren Hierarchien wie zum Beispiel Personalchefs oder Juristen als Ansprechpartner für die Opfer von Missbrauch, als interne Ermittler und als Nahtstelle zu den staatlichen Behörden. Die unvermeidliche Doppelrolle erschwert Opfern den Zugang und schadet der Sache. Unabhängige Aufklärung braucht externe Aufklärer."

Zusammengestellt von Julia Kreutziger

Quelle: n-tv.de

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