Pressestimmen

Asse schließt "Ignoranz und Schlamperei"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Auch wenn Norbert Röttgen jetzt richtig handelt, der Schaden ist bereits unermesslich. Asse ist marode, die Enlagerungsfrage nicht geklärt und der Atommüll verschlingt Milliarden. Die Uhr tickt weiter, meint die Presse.

"30 Jahre mussten ins Land gehen, bis der Bund endlich Lehren aus dieser Art Experiment zieht", konstatiert die Süddeutsche Zeitung. Eine Lehre davon sei, dass "es eine billige Endlagerung nie und nirgends geben" könne, sie verlagere Probleme, aber löse sie nicht. Im Fall Asse sei es bereits jetzt die nächste Generation, "die mit Milliarden büßen muss für die Leichtfertigkeit von Experten und Regierenden". Möglicherweise, schreibt das Blatt zynisch weiter, sei dies noch günstig, wenn man die Summen mit einer Vergiftung des Grundwassers, "falls die Fässer geblieben wären, wo sie sind".

Die Allgemeine Zeitung befindet, dass der Atommüll nie hätte nach Asse gelangen dürfen. "Der Name Asse steht bis ans Ende aller Tage für Ignoranz, Schlamperei, kriminelle Verantwortungslosigkeit. Er führt eindrucksvoll vor Augen, dass die Endlagerfrage nicht gelöst ist." Ernüchterung breite sich aus, obwohl manche bis vor Kurzem schon eine Renaissance der Atomkraft vor Augen gehabt hätten. Doch "Neubauprojekte in Finnland kommen nicht recht vom Fleck, werden enorm viel teurer als geplant". Das Blatt wirft die spannende Frage auf, wie sich die Bundesregierung in der Frage nach dem Atomausstieg verhalten werde. "Dabei ist selbstredend nicht nur die Endlagerfrage entscheidend, sondern das Gesamtrisiko. Und das ist und bleibt unverantwortbar hoch."

Die Bayerische Rundschau erinnert daran, dass der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel 2009 dem Bundesamt für Strahlenschutz die Verantwortung übertragen habe. Wäre dies nicht geschehen, "würden wir vermutlich bis heute kaum ermessen, welch katastrophale Zustände unter der Erde herrschen. Das Ausmaß der bis dahin geübten Verharmlosung erhellt eine Zahl, die man auf der Seite www.asse-archiv.de findet: Noch im Jahr 2007 ließ man 4200 Besucher in die Asse, darunter Schulkinder. In Spitzenjahren waren es bis zu 14.730 Menschen."

Die Lübecker Nachrichten rücken den jetzigen Bundesumweltminister ins Licht: "Norbert Röttgen setzt mit seiner Entscheidung, den Atommüll vollständig aus der Asse herauszuholen, eine positive Duftmarke. Selbst die Anti-Atom-Bewegung zollt ihm dafür Respekt, hatten die Kernkraft-Gegner doch befürchtet, dass Röttgen eine der Billiglösungen Umlagern oder Einbetonieren wählt." Allerdings lobhudelt das Blatt Röttgen nicht nur: "Jetzt sollte der Minister auch den Mut aufbringen, die Atomindustrie an den Kosten für die Rückholung ihrer strahlenden Abfälle zu beteiligen. So rasch der Atommüll aus Asse raus muss ihn eilig im Schacht Konrad zu versenken, verbietet sich: Das Endlager in Salzgitter ist nur für schwach strahlende Atomabfälle mit voraussehbar geringer Wärmeentwicklung zugelassen."

"Vergraben, vergessen, aber nicht verschwunden - die Zeitbombe unter Tage tickt weiter", wirft auch die Hessische/Niedersächsische Allgemeine einen Blick in die Zukunft. Denn ob sie mit dem Bergungsplan entschärft werden könne, wüssten nicht mal die Experten. "Der Skandal hinter dem Skandal: Weggucken, wegducken und die unheilige Allianz zwischen Politik und Atomlobby haben die Uhr für das marode Atom-Bergwerk soweit ablaufen lassen, dass die Bergung der 126.000 Strahlenmüll-Fässer oder ihrer bröseligen Reste selbst im besten Fall ein verzweifeltes Rennen gegen die Zeit wird."

Quelle: ntv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger