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Missbrauchs-Debatte "Kirchentag darf Hoffnung machen"

Das Thema sexueller Missbrauch sorgt innerhalb der katholischen Kirche in mehrfacher Hinsicht für Unruhe: Während die Vorermittlungen gegen Walter Mixa, den ersten unter sexuellen Missbrauchsverdacht geratenen deutschen Bischof, eingestellt werden, kommt es in der zentralen Missbrauchs-Veranstaltung auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag zur Störung durch Protestrufe und knallharter Systemkritik an der katholischen Kirche.

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Ein Aktivist des Betroffenen-Netzwerks Snap (Survivors Network of those Abused by Priests) hält während einer Podiums-Veranstaltung zum Thema Missbrauch in der Kirche Bilder von Betroffenen hoch.

(Foto: dpa)

Die Leipziger Volkszeitung fasst die Ereignisse auf dem Kirchentag in München zusammen: "Hitzige Missbrauchsforen, eine Kanzlerin mit einer Blut-und-Tränen-Rede zum Sparen neben der üblichen Kirchentagsfolkore - war sonst noch was? Ach ja, Schwester Käßmann hat auf ihrer Comeback-Tour zurück zum eigenen Ego den katholischen Brüdern ordentlich Saures in den Messweinbecher gegossen. Die Pille als Gottesgeschenk im katholischen Liebfrauendom zu preisen, hätte in anderen Jahren zum mittleren Beben gereicht. So aber seufzen viele auf dem sonderbar unterkühlten Kirchentag 'Mein Gott, Margot' und wenden sich der nächsten Zölibat-Debatte zu." Ist München also Etikettenschwindel, wie der Wittenberger Theologe Schorlemmer grantelt? "Nein", kommentiert das Blatt aus Sachsen: "Aber es zeigt, dass ein Ökumenischer Kirchentag allein noch kein Frühlingserwachen in einer gespaltenen Kirche ist."

"Der Münchner Kirchentag darf Hoffnung machen", konstatiert die Abendzeitung aus München. "Darauf, dass das Thema Missbrauch jetzt wirklich beim letzten verbohrten Amtsträger angekommen sein dürfte und Reue und Prävention im Mittelpunkt stehen werden." Hoffnung mache auch die Person Margot Käßmann: "Wer sie erlebt hat, spürt, dass die 51-Jährige trotz Trunkenheitsfahrt und Rücktritt die Lichtgestalt ist, die auch Kirchenferne in ihren Bann ziehen damit die Protestanten aus dem Jammertal der Kirchenaustritte führen kann. Und der man zutrauen kann, der Ökumene den entscheidenden Schub zu geben."

Auch die Südwest-Presse zieht eine positive Bilanz: "Eindrucksvoll demonstrierten die christlichen Laien, auf welch breitem Fundament ihre weltweit tätige Nächstenliebe steht. Christsein heißt eben auch Position beziehen zu militärischer Gewalt, zu Menschenrechtsverletzungen, Problemen der Globalisierung und zunehmender sozialer Spaltung. Das zeigt das Laientreffen in seiner ganzen Vielfalt. Und es lud ein, ins Gespräch zu treten mit Suchenden, Verunsicherten, religiös Unmusikalischen. So entspannt und so überzeugend zeigt sich Kirche heute selten. Und so selbstkritisch. Kirchentage wollen und sollen Zeitansage sein. Diesen Anspruch erfüllt das Christentreffen in München." Dies gelte "für die Gerechtigkeitsfragen gegenüber Politik und Gesellschaft" und "für den mutigen Blick auf das Thema sexuelle Gewalt".

Der Express aus Köln widmet sich den fallengelassenen Ermittlungen gegen Bischof Mixa: "Mit dem Bericht von Sonderermittler Sebastian Knott kommen die Lügen von Bischof Walter Mixa ans Tageslicht. Die Lügen eines Gottesmannes, der vor wenigen Wochen noch behauptete, niemals eine Hand gegen die ihm anvertrauten Kinder erhoben zu haben. Jetzt wissen wir: Er hat, wie er selbst später einräumte, nicht nur Watschen verteilt. Sondern Kinder brutal mit Stock und Hosengürtel verprügelt, um ihnen den Satan auszutreiben. (…) Eltern, die ihre Kinder prügeln, bis der Stock zerbricht, müssen damit rechnen, wegen Körperverletzung vor Gericht gestellt zu werden und das völlig zu Recht." Die Zeitung findet es daher "bedauerlich, dass Mixa wegen der Verjährung seiner Taten wahrscheinlich dem Prozess vor einem weltlichen Gericht entgehen wird."

In der in Hannover herausgegebenen Neuen Presse ist zu lesen: "Ein bis dato einflussreicher katholischer Bischof ist als übler Kinderschläger und notorischer Lügner entlarvt. Und während seine Opfer nicht mal eine Therapie erhielten, um die Erlebnisse verarbeiten zu können, erholt sich der schein-heilige und selbstherrliche Kleriker nun in einer Schweizer Klinik von dem Unbill des Erwischtwordenseins. Unerreichbar. Unberührbar. Unbeeindruckt." Sollte sich der Verdacht erhärten, dass Mixa es auch mit dem Beichtgeheimnis nicht so genau genommen habe, müsse der Vatikan eigentlich handeln, kommentiert das Hannoveraner Blatt. "Doch die Exkommunikation eines ultrakonservativen Ex-Bischofs wird es nicht geben - es ging ja nur um Waisenkinder."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Susanne Niedorf

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