Pressestimmen

Gericht entzieht Doktor-Titel "Schavans Lebensleistung wird geschmälert"

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Die Presse diskutiert über Annette Schavan.

Das Gericht spricht ein Urteil: Annette Schavan verliert ihren Doktortitel endgültig. Die Universität Düsseldorf hat trotz vehementer Einwände der Ex-Ministerin ihre Doktorarbeit als Plagiat entlarvt. Die Presse diskutiert über das Verhalten Schavans.

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Sie hat lange gestritten und doch verloren: Annette Schavan muss ihren Doktor-Titel ablegen.

(Foto: AP)

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: "Damit hat die frühere Bildungsministerin das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollte, nämlich den Titelentzug als dilettantische Ungerechtigkeit der Universität Düsseldorf zu brandmarken. Die viel gescholtene Hochschule kann jetzt auf ein richterliches Gütesiegel verweisen." Sie müsste die Plagiatsvorwürfe nicht nur prüfen, sie dürfte den Titel auch so aberkennen, wie sie es getan hätte, so das Blatt. Die Richter haben dem eine wichtige Fußnote hinzugefügt: Es ist wichtig, wie lange die Fehler zurückliegen, auch wenn es keine Verjährungsregel gibt. "Darüber lohnt sich, weiter zu diskutieren."

Für die Ludwigsburger Kreiszeitung bleibt auch innerhalb der Wissenschaft strittig, inwieweit die damaligen Anforderungen an das akademische Arbeiten mit denen von heute gleichgesetzt werden können. "Das Gericht ist gleichwohl zu dem Schluss gekommen, dass es diesbezüglich keine unterschiedliche Bewertung geben darf. Zweifellos hat Schavan ihre politischen Verdienste - als langjährige Bildungsministerin, aber auch als stellvertretende CDU-Vorsitzende. Das wiegt am Ende mehr als die Plagiatsaffäre."

"Politisch ist Schavan nicht zuletzt Opfer der eigenen Maßstäbe geworden", meint die Eßlinger Zeitung. "Der Protagonistin von Eliteschulen und hohen Bildungsstandards wollten Freund wie Feind eine offensichtlich oberflächliche Dissertation nicht durchgehen lassen. Schavans Lebensleistung wird dadurch geschmälert, aber nicht ausgelöscht." Die profilierte Katholikin wird demnächst als Botschafterin in den Vatikan wechseln. In Rom ist sie dem Blatt zufolge dem politischen Nahkampf entrückt. "Der Makel des Titelentzugs wird eine Frau vom Schlage Schavans allerdings den Rest des Lebens begleiten."

Für die zurückgetretene Bildungsministerin ist diese Entscheidung laut der Berliner Zeitung doppelt bitter, denn die zuständige Richterin hat nicht nur die Entscheidung der Universität bestätigt, sie stellte auch fest, dass die Universität das Verfahren formal korrekt durchgeführt hat. Nicht nur Schavan habe das bezweifelt, so das Blatt. Der zuständige Promotionsausschuss hatte das vertrauliche Gutachten zu den Plagiatsvorwürfen gegen sie noch vor der Urteilsfindung an die Medien gegeben. "Schavan könnte nun weiter um ihre Reputation kämpfen und Rechtsmittel einlegen. Ein höchstrichterlich bestätigtes Plagiat aber wäre ein Totalschaden."

Die Saarbrücker Zeitung findet klare Worte: "Nach diesem Urteil sollte Annette Schavan jetzt den Hoeneß machen und hinnehmen, dass ihr Doktor-Titel verloren ist. Auch wenn die Merkel-Vertraute glaubt, ihr sei großes Unrecht widerfahren." Das Gericht ist zu einer anderen Auffassung gekommen. Zweifellos habe Schavan Verdienste - als langjährige Bildungsministerin, aber auch als stellvertretende CDU-Chefin, schreibt die Zeitung. "Das wiegt am Ende mehr als die Plagiatsaffäre." Deswegen solle sie jetzt Botschafterin beim Vatikan werden. "Eine schlechte Wahl ist sie nicht. Denn sie steht durchaus für einen aufgeklärten Katholizismus, für eine modernere Kirche ganz im Sinne des neuen Papstes."

Zusammengestellt von Lisa Schwesig

Quelle: n-tv.de

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