Pressestimmen

Erster Untersuchungsbericht zur Loveparade "Schwarze-Peter-Spiel" geht weiter

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Ralf Jäger gibt erste Antworten.

Ein erster Untersuchungsbericht zum Unglück bei der Loveparade liegt vor, aufgeklärt ist noch nichts. Die sogenannten Verantwortlich schieben sich weiterhin die Schwarze-Peter-Karte zu. Doch lange wird ihr unwürdiger Verteidigungswall nicht mehr halten, glaubt die Presse.

Die Westfälischen Nachrichten schreiben von einem "Endlich". Ralf Jäger, der Innenminister Nordrhein-Westfalens, bemühe sich vier Tage nach der Tragödie bei der Loveparade "um erste Antworten" bezüglich der Geschehnisse. Trotzdem seine Aussagen nur vorläufig seien, habe er sich nach Ansicht des Blattes aus Münster mit seinen Aussagen "weit aus dem Fenster gelehnt". "Denn die unverhohlene Zuweisung der Verantwortung für die Tragödie an die Organisatoren und die Stadt Duisburg muss erst noch bewiesen werden."

Die Wetzlarer Neue Zeitung stellt anhand der von Jäger bestätigten, schier unglaublichen Zahlen ein Gedankenspiel an: "Der Tunnel als einziger Zugang zum Gelände hat (…) eine Kapazität von 30.000 Menschen pro Stunde. Es hätte also rund sieben Stunden gedauert, 200.000 Menschen auf das Festgelände zu bringen. Bei der vom Veranstalter vor der Katastrophe stets propagierten Millionenzahl wären sogar anderthalb Tage dafür notwendig gewesen!" So, schlussfolgert das Blatt richtig, sei es absehbar gewesen, "dass irgendwann im Laufe dieses Tages eine zu große Menschenmenge im Bereich des Tunnels zusammentreffen könnte" Ebenso hätte zuvor "niemand leichtfertig ausschließen dürfen", "dass die Ordnungskräfte dieser Situation nicht Herr werden könnten" – insbesondere nicht Adolf Sauerland. Der könne "sich nun nicht weiter hinter staatsanwaltlichen Ermittlungen verstecken".

Trotz dem ersten vorliegenden Untersuchungsbericht zur Katastrophe, seien die Vorgänge vom 24. Juli noch längst nicht aufgeklärt, konstatiert die Heilbronner Stimme. Ganz im Gegenteil: "Die wechselseitigen Schuldzuweisungen von Veranstalter, Stadt und Polizei" weiter gehen. Juritisch verständlich  sei das "unwürdige Schwarze-Peter-Spiel" für die Angehörigen der Toten und Verletzten auf menschlicher unerträglich. "Es sollte schon sehr wundern, wenn sich am Ende nicht herausstellte: Alle Beteiligten haben Fehler gemacht bei der Planung, Genehmigung und Durchführung der Loveparade. Das muss Konsequenzen haben für die juristisch Schuldigen und politisch Verantwortlichen."

Auch die Frankfurter Rundschau beobachtet, dass es "die sogenannten Verantwortlichen" weiterhin ablehnen, "ihre Schuld zu tragen". Doch "sie ist ihnen zugewachsen, weil sie der ihnen anvertrauten Aufgabe nicht gerecht wurden. Doch ihr Verteidigungswall wird nicht halten. Mit jedem Detail, das die Ermittler zutage fördern, wird deutlicher werden, wo zentrale Fehlentscheidungen gefallen sind."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger

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